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Atomkraftwerk Hinkley Point C in England: Der Bau verzögert sich um Jahre und verteuert sich laufend.
Von Kathinka Burkhardt
Folgt man Teilen der öffentlichen Debatte, könnte man meinen, Deutschland beschreite mit dem Atomausstieg einen Sonderweg, während überall sonst auf der Welt neue Kernkraftwerke gebaut würden: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kritisiert die Abschaltung der letzten Meiler genauso wie die schwedische Regierung, FDP und Union denken lautstark über einen Wiedereinstieg in die Atomkraft nach und die EU klassifiziert Atomstrom sogar als grün. Liegt Deutschland folglich falsch?
Eher nicht. Denn obwohl viele Industrienationen angesichts des wachsenden Strombedarfs und der Abkehr von fossilen Energieträgern weiterhin (auch) auf Atomstrom setzen, birgt die Technologie eine ganze Reihe unbestreitbarer Nachteile. Das gilt selbst dann, wenn man die wohl gefährlichsten Risiken ausblendet: die Gefahr von Reaktorkatastrophen, die sich in Tschernobyl oder Fukushima auf schreckliche Weise gezeigt hat, und die ungeklärte Endlagerfrage.