Stromerzeugung deutlich günstiger

Öko schlägt Atom

Strom aus Atomkraftwerken ist um ein Vielfaches teurer als der aus erneuerbaren Quellen. Grund sind vor allem die gewaltigen Fortschritte der Ökostrombranche. Die Bilanz fällt noch eindeutiger aus, wenn die Folgekosten der Atomenergie eingerechnet werden.

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    Das Atomkraftwerk Grohnde (Niedersachsen) wird Ende 2021 stillgelegt. Der Strom aus den benachbarten Windrädern ist deutlich günstiger als der Atomstrom.

    Das Atomkraftwerk Grohnde in Niedersachsen geht Ende des Jahres vom Netz. Die Zukunft gehört den benachbarten Windrädern.

    Von Volker Kühn

    Wer im Supermarkt zu Bioware greift, zahlt an der Kasse mehr, als wenn er konventionell hergestellte Produkte kaufen würde. Das liegt an den Erzeugungskosten. Es ist teurer, Schweine artgerecht zu halten, als sie in herkömmlichen Ställen zu mästen. Im Fall von ökologisch und konventionell erzeugtem Strom verhielt es sich lange ähnlich. Noch vor zehn Jahren kostete die Produktion von Solarstrom ein Vielfaches von Kohle- und Atomstrom. Doch das Bild hat sich gewandelt. Der Grund ist die steile Lernkurve, die die junge Ökostrombranche in der vergangenen Dekade durchlaufen hat. Die Technologie wird immer besser, die Produktionsprozesse effizienter. Die Folge ist ein drastischer Preisverfall.

    Die Produktion von Kohlestrom dagegen kostet im globalen Schnitt heute in etwa genau so viel wie vor zehn Jahren. Und Atomstrom hat sich sogar deutlich verteuert, wie die folgende Grafik zeigt. Sie basiert auf Recherchen des renommierten World Nuclear Industry Status Reports.

    Seit 2009 sind die Preise für Atomstrom um 26 Prozent gestiegen, während Solarenergie um 89 Prozent günstiger wurde.

    Wenn Atomkraftwerke heute überhaupt noch eine Chance auf dem Markt haben, dann nur aufgrund massiver Subventionen der Staaten, in denen sie gebaut werden. An der Strombörse sind sie wirtschaftlich längst nicht mehr konkurrenzfähig zur On- und Offshore-Windkraft oder zu Solarenergie. Noch deutlicher wird der Kostenvorteil von erneuerbaren Energien, wenn man die wahren volkswirtschaftlichen Kosten der Atomkraft mit einrechnet, allen voran die viele Milliarden Euro teure Endlagerung des Strahlenschrotts. Ganz zu schweigen von möglichen Schäden durch einen Super-GAU, wie er sich in Tschernobyl oder Fukushima ereignet hat.

    Oft vergessen wird in einer Bilanz der Atomenergie zudem die Frage, woher ihr Brennstoff kommt. Die Lieferländer von Uran zählen zum Teil zu den politisch instabilsten der Welt. Obendrein ist Uran ein fossiler Brennstoff, dessen Verfügbarkeit endlich ist. Manche Prognosen gehen davon aus, dass er schon in einer Generation zur Neige gehen könnte. Wer heute noch in die Atomenergie investiert, setzt deshalb auf eine Technologie mit kurzer Lebenszeit, sofern es nicht große Fortschritte beim Recycling des Urans geben sollte.

    Wie groß der Kostenvorsprung von Ökostrom gegenüber Atomstrom ist, unterscheidet sich von Region zu Region. In den windigen Nordseeanrainerstaaten bietet sich Windenergie an Land und offshore an, auf der arabischen Halbinsel oder in Australien ist Solarenergie konkurrenzlos günstig. Die folgende Übersicht berechnet die Kosten für die Region Nordwesteuropa.

    Die Infografik zeigt die Stromkosten nach Energieträgern: Atomenergie ist die mit Abstand teuerste Quelle, Erneuerbare sind am günstigsten.

    Im deutschen Energiemix steigt der Ökostromanteil seit Jahren, 2020 erreichte er rund 50 Prozent. Wenn Ökostrom aber so viel billiger ist als Atom- und Kohlestrom, müsste dann nicht auch der Preis auf der Stromrechnung von Jahr zu Jahr sinken? Wenn er nur auf den Erzeugungskosten beruhen würde, ist die Antwort ein klares Ja. Sie machen allerdings nur ein Fünftel des Preises aus, den Verbraucher für ihren Strom zahlen. Die übrigen vier Fünftel entfallen auf Steuern und Abgaben wie die Netzentgelte und die EEG-Umlage.

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