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Tobias Goldschmidt auf dem Dach seines Ministeriums in Kiel: Der Grünen-Politiker spricht sich dafür aus, Deutschland in mehrere Strompreiszonen aufzuteilen und enger mit Dänemark zusammenzuarbeiten.
Tobias Goldschmidt (Die Grünen) ist seit Juni 2022 Minister für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur in Schleswig-Holstein. Der 1981 im Emsland geborene Diplom-Politologe blickt auf eine lange Laufbahn im Kieler Ministerium zurück: Ab 2012 war er dort in verschiedenen Funktionen tätig, leitete die Stabsstelle Energiepolitik und amtierte von 2017 bis 2022 als Staatssekretär, erst unter Robert Habeck, später unter Jan Philipp Albrecht.
Herr Goldschmidt, hinter uns liegt eine beispiellose Hitzewelle. Gibt so ein Ereignis der Energiewende einen Schub?
Tobias Goldschmidt: Die Hitze ist unfassbar bedrückend: Ich bin Mitte 40 und sehe, wie drastisch sich das Klima in so kurzer Zeit verändert hat. Ich war gerade zelten und habe nachts ein Unwetter miterlebt – mit Kräften, die einen nachdenklich machen, weil sie spürbar heftiger sind als früher. Ich habe den Eindruck, wir haben verlernt, uns berühren zu lassen von dem, was draußen passiert. Nach Russlands Krieg gegen die Ukraine, in der Energiekrise, konnte es uns gar nicht schnell genug gehen mit den Erneuerbaren. Innerhalb weniger Jahre hat das Thema deutlich an Schwung verloren. Ich bin aber zuversichtlich, dass sich das wieder dreht – sehenden Auges in die Katastrophe zu laufen, das kann niemand wollen.
Schleswig-Holstein erreicht mit 180 Prozent eine bilanzielle Selbstversorgung mit Erneuerbaren, Sie exportieren also mehr Strom, als Sie im Land verbrauchen. Wie haben Sie das geschafft?
Goldschmidt: Die Energiewende ist das Schleswig-Holstein-Projekt überhaupt. Das Besondere bei uns ist: Sehr viele machen mit – Landeigentümer, die Flächen für Windräder bereitstellen, Bürgerenergiegenossenschaften, Kommunen, die ihre Wärmeplanung früher angepackt haben als anderswo. Landwirte, die mit Biogasanlagen Nahwärmenetze füttern und so zu Energiewirten geworden sind. Und die Industrie, die erkannt hat: Dauerhaft hat man in Deutschland nur eine Chance, wenn man grün produziert. Wir haben früh angefangen und auf der Tradition der Bürgerenergie aufgebaut; die Menschen können sich beteiligen an der Energiewende. Derzeit weisen wir wieder Flächen aus, und ich bekomme mehr Briefe von Bürgermeistern, die auch Flächen abhaben wollen, als von Bürgerinitiativen, die dagegen sind.