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Offshore-Windpark: Deutschland hat einen hohen Strombedarf – aber ein vergleichsweise kleines Seegebiet.
Von Volker Kühn
Wenn die Wetterkarte in der Tagesschau eingeblendet wird, zeigt sich über der Nordsee häufig ein ähnliches Bild: Wolkenbänder ziehen von links nach rechts über den Bildschirm. Denn die Nordsee liegt in einer Westwindzone – der Wind bläst vornehmlich aus West oder Südwest.
Für die am Ärmelkanal oder in der westlichen Nordsee gelegenen Länder bringt das einen Vorteil: Ihre Offshore-Windparks erreicht der Wind als erstes. Sie entziehen ihm einen Teil der Energie und speisen sie in Form von Strom in die Leitungen auf dem Festland ein. Anschließend braucht der Wind eine gewisse Strecke, um seine volle Kraft wiederzugewinnen. Wake-Effekte nennt man das. Belgische Windparks stellen ihre östlichen Nachbarn in den Niederlanden in den Windschatten, niederländische Windparks die deutschen, und auch innerhalb der deutschen Gewässer bekommen die westlichen Parks bessere Winde ab.
Je geringer der Stromertrag, desto schwieriger die Refinanzierung der Parks
Das mag banal klingen, hat aber handfeste ökonomische Folgen. Denn wenn Windparkbetreiber ihre Anlagen in weniger Stunden des Jahres bestmöglich auslasten können, produzieren sie weniger Strom und haben es entsprechend schwerer, ihre Parks zu refinanzieren. Folglich steigt der Strompreis, wovon auch Verbraucher und Industrie in den jeweiligen Volkswirtschaften betroffen sind.
In der Deutschen Bucht ist dieses Problem besonders groß, denn hier werden so viele Windräder so dicht beieinander geplant wie nirgendwo sonst auf der Welt. Bis 2045 sind Anlagen mit zusammen 70 Gigawatt geplant.
Platz gäbe es genug – allerdings nicht in der Deutschen Bucht
Um trotzdem möglichst günstigen Strom vom Meer zu bekommen, gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Entweder werden weniger als 70 Gigawatt in deutschen Gewässern gebaut, sodass zwischen den Turbinen mehr Platz bleibt, auf dem sich der Wind regeneriert. Oder man bleibt bei den 70 Gigawatt, baut aber einen Teil der Windparks nicht in deutschen Gewässern, sondern in Nachbarländern, die einen geringeren Strombedarf und größere Meeresflächen zur Verfügung haben.
Diese Idee wird seit geraumer Zeit in der Branche diskutiert. Wie groß das Potenzial tatsächlich ist, belegt eine heute erschienene Studie. Darin haben Forschende des Fraunhofer IWES im Auftrag des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft BDEW und des Offshore-Windverbands BWO die bisherige Planung sowie drei alternative Szenarien untersucht.
Das Ergebnis: Jede Verlagerung deutscher Windparks in dänische und schwedische Gewässer bringt höhere Stromerträge zu geringeren Kosten. Ein Szenario hat dabei besonders viel Potenzial.