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Alle an einem Strang: Auf dem Nordsee-Gipfel verbinden die Regierungschefs symbolisch ein Stromkabel.
Von Volker Kühn
Das Hamburger Rathaus ist ein Prachtbau im Stil der Neorenaissance, 111 Meter breit, überragt von einem ebenso hohen Turm. Selbstbewusst wirkt der Bau, stolz, einschüchternd vielleicht auch. Zum Nordsee-Gipfel am Montag dieser Woche allerdings verwandelte er sich in eine Trutzburg. Das lag nicht an den Polizisten, die inmitten des Hamburger Schneetreibens Absperrgitter aufstellten und Scharfschützen in Stellung brachten, um die angereisten Staats- und Regierungschefs aus zehn Ländern zu schützen.
Es lag an einem Mann, der gar nicht da war.
Fünf Tage zuvor hatte Donald Trump auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos zum Rundumschlag ausgeholt. Der Reihe nach hatte der US-Präsident sie sich vorgeknöpft – die Energiewende („der vielleicht größte Betrug der Geschichte“), Windräder („es gibt sie überall in Europa, und sie sind Verlierer“), Europa („zerstört sich selbst“) und die EU („gegründet, um Amerika auszunutzen“). Zugleich sparte er nicht an Ratschlägen: Europa müsse „dem grünen Schwindel“ endlich ein Ende bereiten und wie die USA auf „wunderschöne, saubere Kohle“ setzen.
Eine Stunde redete Trump, aber seine Worte waren auch beim Nordsee-Gipfel noch nicht verklungen. Sie versetzten ihn in eine trotzige „Jetzt erst recht“-Stimmung. „Dieser Gipfel ist eine schöne Antwort darauf“, sagte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche.