• Search23.02.2021

Offshore-Wind-Schiffe

Flotten-Inspektion

Sie bewegen Tausende Tonnen Material, liegen bei schwerem Seegang fast reglos im Wasser oder bringen Techniker vom Festland zu ihren Arbeitsplätzen auf See: eine kleine Einführung in die Flotte der Offshore-Wind-Schiffe.

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    Von Daniel Hautmann

    Die Zahl der Offshore-Windparks weltweit wächst stetig, allein im vergangenen Jahr wurde im Schnitt fast jeden Tag ein neues Windrad auf See installiert. Das wäre nicht möglich ohne eine ganze Flotte von Spezialschiffen. Es sind aber nicht allein die klassischen Installationsschiffe nötig, um die Anlagen aufzustellen, sondern viele weitere Typen – vom Crew-Transporter über das Hotelschiff und den Kabelleger bis zum Tauchroboter. Die folgende Übersicht zeigt einen Ausschnitt davon.

    Installationsschiff: die „Bold Tern“

    Offshore-Wind: Das Installationsschiff Im Fachjargon heißen sie Jack-up-Barges: Installationsschiffe, die sich auf riesigen Stelzen aus den Fluten heben können. Die vier stählernen Beine der „Bold Tern“, die zum norwegischen Unternehmen Fred Olsen Windcarriers gehört, sind jeweils 92,4 Meter lang. Sie erlauben es, das Schiff 1,80 Meter über den Wellen schweben zu lassen, sodass die Bewegungen der See praktisch keine Rolle spielen, wenn mit dem Kran von Deck aus ein Windrad im Meer errichtet wird. Auf der seit Anfang 2013 im Einsatz befindlichen „Bold Tern“ ist Platz für acht Windräder mit 3,6-Megawatt-Turbinen oder für vier Anlagen mit acht Megawatt. Der Kran hat eine Höhe von 102 Metern über dem Deck des Schiffs. 56 Kabinen bieten Platz für bis zu 80 Besatzungsmitglieder.    Foto: Picture-Alliance/Zoonar

    Kranschiff: die „Sleipnir“

    Die Mit 220 Metern Länge und 104 Metern Breite ist die „Sleipnir“ das weltgrößte sogenannte Halbtaucherkranschiff. Es ist in der Lage, Gewichte von bis zu 20.000 Tonnen zu heben. In der Vergangenheit hat das Flaggschiff des niederländischen Marinedienstleisters Heerema hauptsächlich für die Öl- und Gasbranche gearbeitet. Ihren ersten Auftrag aus der Windbranche absolvierte die „Sleipnir“ im September letzten Jahres, als sie das 46 Meter hohe und 2858 Tonnen schwere Fundament für die Umspannstation des Offshore-Windparks Hollandse Kust Zuid an seinen Bestimmungsort in der Nordsee gebracht hat. So stattlich wie das Schiff selbst waren auch seine Baukosten: Sie sollen bei rund einer Milliarde US-Dollar gelegen haben, heißt es.     Foto: Picture-Alliance/ANP

    Lastenschiff: die „Alfa Lift“

    Die

    Ein ähnlicher Riese wie die „Sleipnir“ befindet sich derzeit noch im Bau: die „Alpha Lift“. Dabei handelt es sich um ein eigens für die Installation der schweren Fundamente von Offshore-Windrädern entwickeltes Spezialschiff des norwegischen Unternehmens OHT (Offshore Heavy Transport). Mit 218 Metern ist die „Alfa Lift“ nur zwei Meter kürzer als die „Sleipnir“. Sie wird mit einem 3000-Tonnen-Hauptkran ausgestattet und hat ein rund 10.000 Quadratmeter großes Deck, das bis zu 14 Monopiles oder zwölf Jacket-Fundamente pro Reise transportieren kann. Der Clou an der „Alfa Lift“: Sie kann ihr Hauptdeck bis zu einer Tiefe von gut 15 Metern unter die Wasserlinie absenken, was die Installation der Fundamente erleichtert.    Bild: OHT

    Kabelleger: die „Nexus“

    Der Kabelleger Die „Nexus“ ist ein speziell zum Verlegen von Kabeln auf See gebautes Schiff. Es stellt den Anschluss für Offshore-Windparks an die Stromnetze auf dem Festland sicher. Die in Diensten des niederländischen Unternehmens Van Oord stehende „Nexus“ ist mit einem riesigen Kabelkarussell ausgerüstet, das eine Kapazität von mehr als 5000 Tonnen bietet. Obendrein ist sie mit einem Offshore-Kran ausgestattet, der die Verlegung schwerer und langer Kabel ermöglicht. Das Schiff ist 123 Meter lang, rund 27 Meter breit und verfügt über ein dynamisches Positionierungssystem, das es exakt an Ort und Stelle hält. Die erste Aufgabe der „Nexus“ war die Verkabelung des Offshore-Windparks Gemini in der niederländischen Nordsee, wo das Schiff im März 2015 unmittelbar nach seiner Taufe eingesetzt wurde.    Bild: Van Oord

    Service- und Arbeitsschiff: die „Wind of Change“

    Die „Wind of Change“ ist der ohrwurmträchtige Name eines 2019 in Dienst gestellten Schiffs des Energiekonzerns Ørsted (der auch hinter dem Portal EnergieWinde steht). Das 84 Meter lange und 20 Meter breite Schiff bietet Platz für 90 Kabinen, in denen Servicetechniker während ihrer Einsätze in den Windparks untergebracht sind. Als weltweit erstes Schiff ist die „Wind of Change“ mit einem sogenannten Kolibri-Kran mit 3-D-Bewegungsstabilisierung ausgestattet. Damit werden bei Wellengang Bewegungen in alle Richtungen ausgeglichen. Auch die Gangway für den Übergang vom Schiff auf die Windräder ist damit ausgerüstet. Bewegt wird „die Wind of Change“ von Elektromotoren, die ihre Kraft wiederum von Dieselgeneratoren erhalten. So kann eine Menge Sprit und CO2 eingespart werden. Für Lastspitzen sind zudem zwei Akkupacks mit 720 Kilowatt an Bord.    Foto: LDA

    Crew Transfer Vessel: die „Njord Thor“

    So genannte Crew Transfer Vessels sind die Taxis der Offshore-Windparks: Sie bringen Arbeitsmannschaften vom Festland auf die Windräder und zurück. Die „Njord Thor“ ist eines dieser eher kleinen, schnellen und wendigen Schiffe. Sie misst 26 Meter und bietet zwölf Personen plus vier Crewmitgliedern Platz. Die „Njord Thor“ ist mit vier Motoren/Generatoren ausgerüstet und vier sogenannten IPS-Drives. Das sind kleine, um 360 Grad verstellbare Elektropropeller. Sie können das Schiff exakt auf Position halten oder auf bis zu 26 Knoten beschleunigen, fast 50 Stundenkilometer. Um Taucher in den Windparks abzusetzen, ist das Schiff zudem mit einem Moonpool ausgestattet, einer Öffnung im Schiffsrumpf, die es ohne Beeinträchtigung durch Wind und Seegang ermöglicht, ins Wasser zu gelangen.    Foto: Volker Kühn

    Spezialkatamaran: die „Groene Wind“

    Eine Nummer größer als CTVs wie die „Njord Thor“ sind SWATH-Schiffe. Die Abkürzung steht für Small Waterplane Area Twin Hull. Es ist eine Sonderform des Katamarans, wobei der eigentliche Rumpf auf zwei torpedoförmigen Auftriebskörpern ruht. Schmale Stege verbinden Torpedo und Rumpf und minimieren so die Wasserlinienfläche. Daher liegen diese Schiffe sehr stabil im Wasser. Das prädestiniert sie zu sogenannten Service Operation Vessel (SOV), die Servicetechniker schnell zu den Anlagen bringen können. Solche Schiffe sind bereits im Einsatz. Ein weiteres namens „Groene Wind“ wird noch in diesem Jahr ausgeliefert und im Rahmen eines langfristigen Wartungsvertrags von Siemens für die belgischen Offshore-Windparks Rentel, Mermaid und Seastar gechartert.    Bild: Deme Group

    Im Unterwassereinsatz: der Tauchroboter

    Sogenannte Remotely Operated Vehicles (Kurzform: ROV) werden für diverse Erkundungs- und Unterwasserarbeiten sowie Inspektionen an Offshore-Bauwerken eingesetzt. Dazu werden die ROVs von einem Schiff oder einer Plattform aus zu Wasser gelassen und per Kabel ferngesteuert. Größere Roboter verfügen neben Kameras häufig über flexible Werkzeuge, wie Greifarme, Schneide- und Trenngeräte, Kabel und Rohraufspürer, Spül- und Saugpumpen. Tauchroboter sind universell einsetzbar bei Wassertiefen von wenigen bis hin zu mehreren Tausend Metern. Je nach Antriebskonzept können sie Strömungen kompensieren und bieten lange Einsatzzeiten im 24-Stunden-Betrieb. Vor allem bei gefährlichen Einsätzen und in großen Tiefen haben sie sich bewährt.    Foto: ROVOP

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