Entwicklung von Offshore-Wind-Turbinen

Höher, größer, stärker

Die Leistung von Windrädern auf See wächst rasant: 1995 kamen die Turbinen auf 0,5 Megawatt, künftige Anlagen schaffen das Dreißigfache. Ein Dutzend Windräder erzeugt dann so viel Strom, wie eine Großstadt verbraucht.

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    Von 2 auf 15 Megawatt: Die Leistung von Offshore-Windrädern ist förmlich explodiert. Die Infografik zeigt wesentliche Entwicklungssprünge und einen Größenvergleich zum Kölner Dom.

     

    Von Volker Kühn

    Tunø ist eine kleine Insel mit 100 Einwohnern in der dänischen Ostsee. Es gibt einen Hafen, einen weiß getünchten Kirchturm und ein Grüppchen Maulbeerbäume im Inselinneren. Viel mehr weiß selbst der Wikipedia-Eintrag nicht über das Eiland zu erzählen, sieht man mal von dem bedeutungsschwangeren Satz „Im Dorfteich laicht die Wechselkröte“ ab.

    Das Interessanteste an Tunø befindet sich allerdings auch nicht auf der Insel, sondern einen halben Kilometer davor im seichten Ostseewasser: Hier steht Tunø Knob, der älteste noch in Betrieb befindliche Offshore-Windpark der Welt. Die zehn Anlagen wurden im Frühjahr 1995 aufgestellt. Es muss ein eindrucksvoller Anblick für die Insulaner gewesen sein, immerhin sind die Türme mit 45 Metern fast dreimal so hoch wie ihre Kirche. Die Rotorblätter wiegen jeweils eine Tonne und sind 20 Meter lang, die Turbinen vom Typ Vestas V39 haben eine Leistung von je 0,5 Megawatt. Damit versorgt der Park 2800 Haushalte mit sauberer Energie.

    Ein einziges Windrad erzeugt heute mehr Energie als früher ein ganzer Windpark

    1995 waren das imposante Zahlen. Seither allerdings hat sich die Windenergie rasant weiterentwickelt. Heute stehen Turbinen im Meer, die allein mehr Strom erzeugen als der gesamte Windpark Tunø Knob – und die größten Offshore-Windparks der Welt bestehen aus Dutzenden solcher Anlagen, manche sogar aus mehr als 100.

    Erst im September gab der US-Hersteller GE bekannt, aus seinem Flaggschiffmodell, der Haliade-X-Turbine, dank technischer Verbesserungen ein weiteres Megawatt herausgekitzelt zu haben: Die Anlage komme damit auf 13 Megawatt. 190 Stück sollen in die geplanten Windparks Dogger Bank A und B geliefert werden. Der spanisch-deutsche Rivale Siemens Gamesa hat für 2024 sogar die Serienproduktion einer Turbine mit bis zu 15 Megawatt angekündigt. Schon ein gutes Dutzend Windräder könnte dann eine Großstadt wie Mainz versorgen.

    Die acht Megawatt aktueller Windräder werden schon nächstes Jahr übertroffen

    Die Rekordjagd der Offshore-Windenergie verlief in mehreren Sprüngen, wie die Infografik oben illustriert. Fünf Jahre nach dem Bau von Tunø Knob ging 2000 mit dem dänischen Windpark Middelgrunden ein Projekt ans Netz, das aus 20 Zwei-Megawatt-Turbinen besteht. Sie stammen vom Hersteller Bonus, der später in Siemens aufging. 2007 wurden im schottischen Windpark Beatrice Anlagen von Repower aufgestellt, die bereits auf fünf Megawatt kommen. Die erste Sieben-Megawatt-Turbine errichtete Samsung Heavy Industries 2013 im schottischen Testfeld Energy Park Fife.

    Die stärksten heute im Einsatz befindlichen Turbinen stammen von MHI Vestas und knacken die Acht-Megawatt-Grenze. Sie erzeugen unter anderem im deutschen Offshore-Windpark Borkum Riffgrund 2 Strom. Parks mit 9,5-Megawatt-Anlagen befinden sich allerdings bereits in Bau; sie sollen im kommenden Jahr in Großbritannien und den Niederlanden ans Netz gehen. Zwei Jahre später ist dann bereits die Inbetriebnahme von Projekten mit Turbinen jenseits der Zehn-Megawatt-Marke geplant. Und schon 2024 könnte die erste 15-Megawatt-Turbine eingesetzt werden. Zunächst allerdings nicht in Europa – sondern in der Formosastraße vor der Küste Taiwans.

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