Aktuell deckt Bioenergie mit einer Leistung von rund sieben Gigawatt gut fünf Prozent des Strombedarfs. Etwa vier Prozent der bundesweit rund 10.000 Anlagen werden hochflexibel und netzdienlich betrieben, viele laufen rund um die Uhr. Um die Blockheizkraftwerke auf den Höfen als Back-up für Dunkelflauten einzusetzen, ist zweierlei nötig: Die Anlagen müssen flexibilisiert und überbaut werden. Flexibilisierung heißt, es braucht größere Speicher für Methan und für Wärme, wenn diese ebenfalls genutzt wird. Überbauung bedeutet, stärkere Motoren und meist einen größeren Netzanschluss nachzurüsten, um kurzfristig mehr Strom zu produzieren.
Eine übliche Anlage, deren elektrische Leistung von 500 Kilowatt so auf das Dreifache erhöht wird, kann 160 Stunden lang Strom produzieren. Dafür müsste der Betreiber einen 120.000 Kubikmeter fassenden Gasspeicher bauen.
Forscher sagen: Biogas könnte Erdgas binnen zehn Jahren in großem Stil ersetzen
Reiche hatte ursprünglich 20 Gigawatt Leistung geplant, was etwa 40 Kraftwerksblöcken entspricht. Auch die jetzt wegen der EU-Beihilferegeln geschrumpften Pläne sind laut einer Studie des Instituts für Zukunftsenergie- und Stoffstromsysteme (IZES) überdimensioniert. Denn Biogas könne Erdgas bereits in zehn Jahren in großem Stil ersetzen.
Doch in Studien zum künftigen Energiesystem, auf denen politische Entscheidungen basieren, wird Biogas laut IZES systematisch unterschätzt: In fast allen Modellen wie etwa beim Netzentwicklungsplan sinkt die Leistung bei der Stromerzeugung auf 3 Gigawatt im Jahr 2045. Dabei können die Bestandsanlagen laut einer Fraunhofer-Studie bei vierfacher Überbauung rund 24 Gigawatt an sogenannter Residuallast liefern – also die fehlende Energie, wenn Wind und Sonne zu wenig liefern.
Die Betreiber müssten investieren – in stärkere Motoren und größere Speicher
In den nächsten zehn Jahren dürften Biogaskraftwerke mit etwa sechs Gigawatt Leistung aus der Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) fallen. Eine dieser Anlagen steht auf dem Hof der Familie Heinemann im Nordwesten Niedersachsens. Noch wird am Küchentisch diskutiert, ob in die Flexibilisierung investiert wird. Vier bis fünf Millionen Euro würde das kosten. Stärkere Motoren und ein Wärmespeicher ließen sich gut integrieren. Mehr Sorgen bereitet die Genehmigung für den Gasspeicher – die könnte nach den bisherigen Erfahrungen Jahre benötigen. Eine Nachrüstung kann sich rechnen, meint Harm Heinemann. Investieren will er aber nur, wenn die Politik für Sicherheit sorgt. Das größte Problem für den Landwirt: „Eine Regierung sagt hü, die nächste hott.“