Zumindest ein Teil dieser Leistung könnte bald installiert sein. Denn die Dynamik und die Projekt-Pipeline sind groß. Batteriespeicher entstehen auf Industriebrachen, neben Solarfeldern im Allgäu und bei Windparks in Nordfriesland. Der Konzern RWE, der auch in Kalifornien mit Großspeichern vertreten ist, baut einen 600-Megawatt-Batteriepark auf dem Gelände des einstigen Kohlekraftwerks in Hamm. Im Kohlerevier der Lausitz sollen Speicher mit insgesamt 800 Megawatt Leistung ans Netz gehen. Und der Bau von Deutschlands künftig größtem Batteriepark in Sachsen-Anhalt schreitet zügig voran.
Wie entwickelt sich der Speichermarkt langfristig? Das ist derzeit unsicher
Mit solchen Projekten wird die Kapazität schon bis Ende 2028 von aktuell sechs auf rund 36 Gigawattstunden steigen. Das entspricht etwa dem, was Pumpspeicherkraftwerke hierzulande leisten können. Für das rund 20-Fache dieser Kapazität gab es bei den Netzbetreibern allein im Jahr 2024 viele Tausend Anschlussanfragen – weit mehr als gebraucht wird. Viele dieser Anfragen dürften rein spekulativ sein. Während früher der Antragseingang zählte, wird inzwischen nach „Reifegrad“ und Netzdienlichkeit entschieden. Batterien werden auch gebraucht, um damit sekundenschnell das Stromnetz zu stabilisieren.
„In Batteriespeicher investiert derzeit nur, wer mit einer kurzen Amortisation von drei bis sechs Jahren rechnet“, sagt Sauer. Denn es ist unsicher, wie lange das Geschäftsmodell trägt. Mit jedem zusätzlichen Speicher, der die Preise glättet, verdienen die anderen weniger Geld. Außerdem könnten weitere flexible Akteure auf den Markt kommen: E-Autos, die künftig Strom ins Netz zurückspeisen. Haushalte, die mit Smart-Metern auf Preissignale reagieren. Oder Elektrolyseure, die überschüssige Energie abfangen.
Berlin muss die Weichen richtig stellen. Sonst profitieren fossile Energien
Hinzu kommt die Unsicherheit durch politische Vorgaben. Für den Batterieexperten ist nicht erkennbar, wie die von der Bundesregierung ausgeschriebene Leistung zur Absicherung gegen Dunkelflauten ausgestaltet wird. Unstrittig sei, dass wasserstofffähige Gaskraftwerke gebraucht werden. Entscheidend sind aber die Details: Wenn die subventionierten Blöcke nicht nur bei langfristigen Engpässen, sondern auch im kurzfristigen Stromhandel aktiv werden, könnten Batteriespeicher verdrängt werden. Die Folge wäre mehr fossile statt erneuerbare Energie im Netz.