Offshore-Wind im Mittelmeer und Atlantik

Auf zu neuen Ufern

Bislang konzentriert sich Europas Offshore-Windenergie auf die Nord- und Ostsee sowie die Irische See. Doch auch im Atlantik drehen sich erste Anlagen auf dem Wasser. Geplante Projekte im Mittelmeer verzögern sich wegen der Senvion-Pleite. Ein Überblick.

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    Spanische Pionierarbeit: Seit vergangenem Jahr liefert ein Windrad vor der Küste von Gran Canaria Strom. Das Foto zeigt die ungewöhnliche Anlage während der Bauphase. Der Turm besteht aus Betonelementen, die wie bei einem Teleskop ausgefahren werden.

    Mit dem schwimmenden Windrad Floatgen im Atlantik hat auch in Frankreich das Zeitalter der Offshore-WIndkraft begonnen.

    Floatgen: Frankreichs Start in die Offshore-Windkraft

    Seit 2018 schwimmt vor der bretonischen Atlantikküste Frankreichs erstes Offshore-Windrad. Das Projekt namens Floatgen hat sich bislang bewährt: Mitte Januar gab die Betreiberfirma Ideol bekannt, dass die Zwei-Megawatt-Turbine mehr Strom als erwartet produziert. Ein Video zeigt, dass sie selbst rauen Winterstürmen trotzt. Noch in diesem Jahr sollte eigentlich auch im französischen Mittelmeer ein schwimmender Windpark gebaut werden. Doch wegen der Pleite des Turbinenlieferanten Senvion verzögert sich das das Eolmed-Projekt, wie die Betreiber gegenüber EnergieWinde erklärten.

    Floating Wind: Dreieckige Schwimmkörper wie bei dieser Pilotanlage vor Portugal brauchen viel teuren Stahl. Dafür ist die Wartung simpel: Die Anlagen können einfach komplett ins Trockendock geschleppt werden.

    Windfloat Atlantic: Portugals zweites Offshore-Wind-Projekt

    Nachdem die Portugiesen bereits von 2011 bis 2016 ein Zwei-Megawatt-Windrad im Atlantik zu Testzwecken betrieben haben (Foto), läuft derzeit die Installation eines schwimmenden Windparks mit drei 8,4-Megawatt-Turbinen 20 Kilometer vor der Küste. Das Wasser ist hier mit rund 100 Metern zu tief für im Boden verankerte Türme. Das erste Windrad wurde zu Silvester 2019 ans Netz angeschlossen, die anderen beiden sollen in Kürze folgen. Im Gegensatz zum Betonschwimmköper von Ideol setzt Windfloat auf Stahl. Wie bei Floating-Wind-Projekten üblich, werden die Anlage an Land gebaut und dann aufs Meer gezogen.

    Luftbild des Hafens von Tarent: Hier soll Italiens erster Offshore-Windpark Beleolico entstehen. Da die Turbinen vom insolventen Hersteller Senvion geliefert werden sollten, dürfte sich der Bau verzögern.

    Beleolico: Offshore-Wind an der italienischen Stiefelspitze

    Italiens erster Windpark im Meer ist vor dem Hafen der süditalienischen Stadt Tarent geplant. Der Bau der zehn Drei-Megawatt-Anlagen hat in der zweiten Hälfte 2019 begonnen, Mitte Dezember meldete der spanische Stahlverarbeiter Tecade den Abschluss der Lackierarbeiten an den Bootsanlegern der Fundamente. Ob der Park tatsächlich noch dieses Jahr ans Netz gehen kann, erscheint allerdings fraglich. Denn wie beim Eolmed-Projekt in Südfrankreich war auch hier Senvion als Lieferant der Turbinen vorgesehen. Die Betreiber waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

    Elican: Windrad auf einem Teleskopturm vor Gran Canaria

    Eines der ungewöhnlichsten Offshore-Windräder steht vor Gran Canaria im Atlantik: Das von der EU geförderte Projekt Elican/Elisa besteht aus einer Fünf-Megawatt-Turbine von Siemens Gamesa, die auf einem Betonturm thront, der sich wie ein Teleskop ausfahren lässt. Die Anlage wurde an Land gebaut, schwimmend vom Hafen (Bild) an ihren Bestimmungsort gezogen und dort zur vollen Größe aufgerichtet. Seit 2019 liefert sie Strom. Rechts ist die Turbine Muelle de Arinaga zu sehen, die ebenfalls oft als Offshore-Windrad bezeichnet wird, obwohl sie auf dem Kai steht. Ähnliche Anlagen gibt es seit 2007 bei Bilbao.

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