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Windpark vor der Küste von Wales: Mit einer speziellen „Auktion vor der Auktion“ fördert Großbritannien die heimische Lieferkette.
Von Volker Kühn
Herr Hübler, in Berlin laufen die Koalitionsgespräche. Was hat die Offshore-Wind-Industrie zu erwarten?
Dominik Hübler: Was am Ende im Koalitionsvertrag stehen wird und wie das mit Leben gefüllt wird, unterliegt natürlich der Verhandlungsdynamik. In die öffentlich gewordenen ersten Entwürfe des Energiekapitels lässt sich vieles hereininterpretieren. Es ist aber davon auszugehen, dass unter dem Kostengesichtspunkt alles auf den Prüfstand kommt. Gerade in der Union gehen einige davon aus, dass es mit weniger Offshore-Windparks günstiger wird.
Andreas Jung, der Chefverhandler der CDU in der Energie-Arbeitsgruppe, hatte einen „Effizienzcheck“ angekündigt.
Hübler: Richtig, und ein solcher Check ist durchaus berechtigt. Denn so wie der Offshore-Wind-Ausbau aktuell geplant ist, mit sehr vielen Windrädern auf engem Raum, kämen einige der geplanten Projekte nur auf sehr geringe Stromerträge, weil ihnen benachbarte Parks den Wind nehmen würden. Das würde ihre Kosten in die Höhe treiben oder die Projekte sogar so unattraktiv machen, dass sie gar nicht erst gebaut würden, weil sie auf zu wenige Volllaststunden kämen.
Der Wert gibt die Auslastung der Windräder an. Wie viele Volllaststunden braucht ein Park, um für den Betreiber wirtschaftlich zu sein?
Hübler: Ich kann Ihnen keine konkrete Zahl nennen, aber klar ist, dass die Investoren nicht gerade Schlange stehen würden, um für eine Fläche zu bieten, auf der ihre Anlagen auf einen Load Factor von 25 oder 30 Prozent kämen. Im Einzelfall könnten die Betreiber ihre Kosten über eine niedrigere Gebotskomponente vielleicht noch ausgleichen, aber die Folgen eines sehr engmaschigen und ineffizienten Ausbaus gingen über die Betreiber selbst hinaus.