Picture-Alliance/Loop Images
Windräder vor der englischen Ostküste: Werden die Parks zu engmaschig gebaut, sinkt der Stromertrag.
Von Kathinka Burkhardt
In der britischen Nordsee geht es mitunter stürmisch zu – auch unter den Betreibern von Windparks. Es ist ein Rechtsstreit entbrannt um eine Frage, die auf Außenstehende absurd wirken mag: Wem gehört der Wind? Denn das flüchtige Element ist nur scheinbar endlos. Je mehr Parks gebaut werden, desto öfter rauben sie sich gegenseitig den Wind. In der Branche ist von „Windklau“ die Rede. Physikalisch wird das Phänomen der Verschattung von Windparks „Nachlaufeffekt“ oder englisch wake effect genannt.
Für Parks, die dadurch weniger Wind abbekommen, hat das handfeste Folgen: Sie erzeugen weniger Strom und liefern damit niedrigere Umsätze; ganze Geschäftspläne können so ins Wanken geraten. Der norwegische Energiekonzern Equinor etwa fürchtet Einbußen zwischen 75 und 235 Millionen Euro in seinen Windparks Sheringham Shoal und Dudgeon sowie deren geplanten Erweiterungen, wenn in der Nachbarschaft ab 2027 der Windpark Outer Dowsing gebaut wird.
Jede Turbine entzieht dem Wind Energie. Für die nachfolgenden ist weniger übrig
Es ist wie in einem Segelrennen, in dem das vorderste Boot den besten Wind bekommt. Alle nachfolgenden müssen mit der verbliebenen Energie dahinter arbeiten. Genauso wirken sich Wake-Effekte zwischen Windparks auf die Stromerzeugung aus. Je geringer der Abstand zwischen den Turbinen, desto schlechter erholt sich der Wind auf seinem Weg über das Meer – und desto geringer die Stromausbeute.
Abschattungseffekte können große Distanzen betreffen. Modellierungen und Messreihen des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben gezeigt, dass sich unter bestimmten atmosphärischen Bedingungen selbst mehr als 50 Kilometer voneinander entfernte Parks beeinflussen. Far wakes werden diese Fern-Nachlaufeffekte genannt.