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Nachhaltige Geldanlage

Rendite für das Klima

Gutes tun und damit Geld verdienen, diesen Wunsch hegen immer mehr Privatanleger. In der Praxis ist es komplizierter, als es sich anhört. Dennoch gilt: Ein bisschen Klimaschutz geht immer.

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    So grün wie diese Hochhäuser in Italiens Finanzmetropole Mailand wünschen sich viele Anleger auch ihre Finanzen.

    Von Kathinka Burkhardt

    Vor ein paar Wochen hat sich Greta Thunberg die Finanzwelt vorgeknöpft, in Form einer Schwarz-Weiß-Karikatur auf Instagram: Ein Mann in zerfetztem Anzug sitzt an einem Feuer, ihm gegenüber drei kleine Kinder. „Ja, der Planet wurde zerstört“, erklärt er ihnen. „Aber für einen wundervollen Augenblick haben wir viel Geld für unsere Aktionäre verdient.“ Einmal mehr kritisierte Thunberg damit, dass Unternehmen für höhere Renditen Umweltschäden in Kauf nehmen. „Es gibt keine Klima-Anführer“, schrieb sie dazu. „Die einzigen, die etwas verändern können, sind du und ich. Wir alle, zusammen.“

    Wir alle zusammen. Dahinter steht der Gedanke, dass ein Einzelner zwar wenig bewirken mag, dass er aber Macht gewinnt, wenn er sich mit anderen verbündet. Ein Gedanke, dem immer mehr Menschen folgen – im Alltag und der Art, wie sie ihr Leben führen, aber zunehmend auch im Umgang mit ihren Finanzen. Sustainable Finance, nachhaltige Geldanlage, Impact Investing, grüne Rendite: Es gibt viele Namen für den Megatrend, der seit einigen Monaten die Finanzwelt bestimmt. Kaum ein Thema interessiert Privatanleger so sehr wie die Frage, wie sie ihr Erspartes sinnvoll investieren können: So, dass es Gutes bewirkt und dabei Gewinn abwirft.

    Green Finance: Die Infografik/Statistik zeigt die Summe, die in Deutschland pro Jahr in nachhaltige Geldanlageformen investiert wird. 2019 waren es 183,5 Milliarden Euro.

    Die grüne Geldanlage in Deutschland boomt. Allein von 2019 auf 2020 ist ihr Volumen um fast 40 Prozent auf 183,5 Milliarden Euro gewachsen, wie das Forum Nachhaltige Geldanlagen errechnet hat. Dass die Finanzwelt eine mächtige Waffe im Kampf gegen die Klimakrise sein kann, hat auch die EU erkannt. Sie entwirft mit der sogenannten Taxonomie derzeit ein System, um mehr Geld in klimafreundliche Projekte zu lotsen, eine Art grüne Liste. Die Taxonomie zielt vor allem auf institutionelle Investoren ab, Banken, Pensionsfonds oder Versicherungen etwa.

    Privatleute können sich an Finanzprodukten dieser Großanleger beteiligen. Doch vielen genügt das nicht. Sie wollen ihr Geld lieber direkt in Klimaschutzprojekte investieren, ohne den Umweg über Banken. Wer einen kleinen Anteil an einem Windrad erwirbt, der kann praktisch in Echtzeit verfolgen, wie viel Strom die Anlage erzeugt, wie viel CO2 sie einspart – und wie viel Geld damit anteilig auf das eigene Konto fließt.

    In ein Windrad investieren? Funktioniert oft nur, wenn man in der Nähe wohnt

    Doch ganz so einfach ist das leider nicht. Das liegt schon daran, dass in Deutschland aktuell kaum neue Windparks gebaut werden. Es fehlen also schlicht die nötigen Projekte. Und wenn es doch welche gibt, sind sie oft als Bürgerbeteiligungen für Anwohner aufgesetzt, um die Akzeptanz vor Ort zu steigern. So können etwa Anwohner des Windparks Schönberg in Mecklenburg-Vorpommern in einem Umkreis von fünf Kilometern Anteile ab 500 Euro kaufen. Nur wenn die lokale Nachfrage nach den auf 20 Jahre festgelegten Anteilen zu gering ist, kommen auch andere zum Zug.

    Bürgerwindpark Schönberg in Mecklenburg-Vorpommern: Anwohner können Anteile ab 500 Euro daran kaufen. Die Nachfrage nach solchen Geldanlagen ist hoch.

    Bürgerwindpark Schönberg: Die Nachfrage nach direkten Beteiligungen an Klimaschutzprojekten übersteigt das Angebot.

    Doch selbst wenn es aus der Ferne möglich ist, eine Beteiligung an einem Windpark zu kaufen, birgt ein solches Investment auch Fallstricke. „So verführerisch solche Projekte klingen, jede direkte Beteiligung an einem Solar- oder Windpark oder einem Biomassekraftwerk ist immer eine unternehmerische Beteiligung, bei der man als Anteilseigner auch die Risiken trägt – bis hin zum Totalverlust des investierten Geldes“, erklärt Stefan Adam, Honorarberater und Finanzexperte der Verbraucherzentrale Niedersachsen.

    So wird der Anleger durch den Anteilserwerb Kommanditist der Gesellschaft mit allen Vor- und Nachteilen: Einerseits erhält er Anteile am Gewinn und Mitbestimmungsrechte. Wird aber schlecht gewirtschaftet oder bleiben zum Beispiel wetterbedingt die Erlöse aus, droht ihm andererseits der Verlust seines Einsatzes. Zudem läuft die Geldanlage in der Regel über Jahrzehnte, in denen der Anleger sein Geld nicht kurzfristig nutzen kann beziehungsweise Verluste riskiert, falls er zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkaufen muss.

    Crowdinvesting bietet oft hohe Verzinsungen – weil auch das Risiko hoch ist

    Ein anderer Weg, sein Geld in nachhaltige Projekte zu stecken, bietet das Crowdinvesting, auch Schwarmfinanzierung genannt. Auf Portalen wie Leihdeinerumweltgeld.de, Gruene-sachwerte.de oder Econeers.de werden verschiedenste Projekte vom Mehrgenerationenhaus bis hin zum Solarpark angeboten, in die man über sogenannte Nachrangdarlehen sein Geld investieren kann, meist über mehrere Jahre zu einer oft überdurchschnittlichen Verzinsung. Doch hier ist höchste Vorsicht geboten: „Anleger bekommen auf den Portalen in der Regel keine Sicherheiten. Typischerweise sind diese Investments als nachrangige Anleihen oder Genussscheine geregelt, bei denen der Anleger im Falle einer Insolvenz des Projekts ganz hinten in der Schlange der Gläubiger steht“, so Adam. Heißt: Es ist durchaus möglich, damit Gutes zu tun und Geld zu verdienen. Es kann aber auch schiefgehen.

    Sieht man sich die 44 Projekte auf der Seite des Anbieters Leihdeinerumweltgeld.de an, das vom Frankfurter Unternehmen Crowddesk betrieben wird, lautet bei immerhin sieben Projekten der Status „Bereits zurückgezahlt“, aber bei elf anderen steht „Zahlungsverzögerung“ und bei einem ist die „Rückzahlung ausgeblieben“.

    Selbst wenn die Zahlungen nachgeholt werden, zeigt dies, dass Anleger aufpassen müssen. „Grundsätzlich sollte Crowdinvesting nur einen ganz kleinen Teil des Anlagevermögens ausmachen“, rät deshalb Finanzexperte Adam. Wenn man sich dazu entscheide, solle man sein Geld zudem lieber „auf mindestens 20 Projekte“ aufteilen, um das Risiko zu streuen. „Wenn dann ein Projekt ausfällt, ist es nicht so schlimm, als wenn alles Geld darin gesteckt hat“, sagt der Verbraucherschützer.

    Es gibt Alternativen zur Direktbeteiligung an Ökoprojekten

    Das bedeutet aber nicht, dass Anleger gar keine Möglichkeiten hätten, ihre Geld bei überschaubarem Risiko sinnvoll einzusetzen. Wer beispielsweise die Möglichkeit hat, eine Solaranlage auf seinem Hausdach zu installieren, verbessert seine CO2-Bilanz unmittelbar, spart Stromkosten und kann sein Investment mittel- bis langfristig refinanzieren.

    Ein anderer Weg ist es, seine Konten bei einer Bank zu führen, die sich explizit nachhaltigen Zielen wie Klimaschutz, ökologischem Landbau oder sozialen Zwecken verschrieben hat. Solche Institute schließen Kreditvergaben an Branchen wie die Kohle- oder die Waffenindustrie aus und erleben seit Beginn der Fridays-for-Future-Proteste einen Boom. Die bundesweit tätige GLS Bank etwa hat nach eigenen Angaben 2020 rund 50.000 Kunden hinzugewonnen, ein Zuwachs von einem Fünftel. Die christliche Pax-Bank, die EthikBank, die niederländische Triodos Bank, die ökologische Umweltbank oder das Hamburger Start-up Tomorrow Bank sind in ähnlichen Segmenten unterwegs. Zwar sind die Zinsen wie bei anderen Banken auch eher bescheiden. Zumindest aber stehen diese Unternehmen für den Anspruch, das ihnen anvertraute Geld sinnstiftend einzusetzen.

    Im Zweifel sollte man pragmatisch sein, rät der Verbraucherschützer

    „Wer nachhaltig investieren möchte, muss sich immer auch die Frage stellen, wo das Geld am Ende tatsächlich hineinfließt – und die Erkenntnis kann sehr ernüchternd sein“, sagt Adam. Der Grund dafür ist, dass Nachhaltigkeit kein einheitlicher Begriff ist und auch die sogenannten ESG-Kriterien nicht immer einheitlich angewandt werden, ganz abgesehen von sogenannten Nachhaltigkeitsratings und -siegeln, die sehr unterschiedliche Standards haben und die Unternehmen am Markt aber frei einkaufen können.

    So werden oft Konzerne in Aktienindizes für Nachhaltigkeit aufgenommen, obwohl deren Geschäftspraktiken durchaus Fragen aufwerfen. Adam rät zu Pragmatismus: „In Bezug auf nachhaltige Finanzen können Anleger derzeit noch nicht alles haben“, sagt der Experte. „Aber man kann diejenigen fördern, die schon einiges richtig machen und damit den Druck auf andere erhöhen.“

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