• Search22.09.2022

Energiemarkt

Deutschland erzielt hohen Stromüberschuss

Der Stromexport übersteigt den Import bei Weitem. Während Wind und Sonne 2022 bislang knapp elf Prozent mehr Energie lieferten, ging die Erzeugung konventioneller Energieträger zurück.

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    Braunkohlekraftwerk Niederaußem: Zwei bereits stillgelegt Blöcke werden wieder hochgefahren, um der Energiekrise entgegenzuwirken.

    Windräder am Braunkohlekraftwerk Niederaußem: Zwei bereits abgeschaltete Blöcke wurden im Juni wieder hochgefahren.

     

    Von Volker Kühn

    Stillgelegte Braunkohlekraftwerke gehen wieder ans Netz, Atomkraftwerke sollen über ihren Abschalttermin hinaus in Bereitschaft bleiben: Die Bundesregierung arbeitet mit Hochdruck daran, die Versorgungssicherheit in Deutschland zu gewährleisten. Dabei ist Strom hierzulande eigentlich kein knappes Gut, im Gegenteil: Von Januar bis Juli hat Deutschland deutlich mehr Strom ins Ausland exportiert, als von dort importiert. Das geht aus der aktuellen Außenhandelsstatistik von Destatis hervor.

    Demnach lag der Exportüberschuss in den ersten sieben Monaten bei 17,4 Terawattstunden, wodurch unter dem Strich Einnahmen von knapp über drei Milliarden Euro nach Deutschland flossen. Am höchsten fiel der Überschuss im Februar aus, als Deutschland 8,7 Terawattstunden exportierte, zugleich aber nur 2,7 Terawattstunden importierte.

    Deutschland exportiert deutlich mehr Strom ins Ausland, als es von dort importiert. Die Statistik zeigt den Zeitraum Januar bis Juli 2022. Infografik: Benedikt Grotjahn

    Dass Deutschland Überschüsse im Stromhandel erzielt, ist nichts Neues, sondern schon seit Jahren so. Was sich verändert, sind hingegen die Quellen, aus denen dieser Strom stammt. Die Gewichte verschieben sich zunehmend zu den erneuerbaren Energien. Von Jahresbeginn bis Mitte September stieg die Stromerzeugung aus grünen Quellen wie der Windkraft und der Solarenergie um 10,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Konventionelle Energieträger wie Kohle, Atomkraft und Gas dagegen haben 4,4 Prozent weniger produziert.

    Der halbe französische Atompark steht still – das treibt die Strompreise in Europa

    Der Stromüberschuss in Deutschland ändert allerdings nichts daran, dass das Angebot in Europa knapp ist. Das liegt insbesondere an dem Ausfall von 33 Atomkraftwerken in Frankreich. Das Land ist daher massiv auf Importe unter anderem aus Deutschland angewiesen. Die Folge des knappen Angebots sind steigende Preise an den Strombörsen, die nach und nach auf die Verbraucher durchschlagen. Dass immer wieder besonders teure Gaskraftwerke laufen müssen, um den fehlenden Atomstrom aus Frankreich zu kompensieren, verschärft die Lage zusätzlich.

    Stromeinspeisung in Deutschland: Während erneuerbare Energien bis zum 21. September 10,8 Prozent mehr Strom geliefert haben, lieferten konventionelle Kraftwerke 4,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Infografik: Benedikt Grotjahn

    Paradoxerweise könnte ausgerechnet die Misere der Atomenergie in Frankreich dazu beitragen, dass in Deutschland noch etwas länger Atomstrom produziert wird. Im Bundeswirtschaftsministerium soll es Überlegungen geben, deutsche Atommeiler über den Jahreswechsel hinaus laufen zu lassen, um den Franzosen zu helfen, ihren Bedarf im Winter zu decken, berichtet der „Spiegel“.

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