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Polens Regierungschef Donald Tusk (Zweiter von links) im Offshore-Windpark Baltic Power. Die Turbinen sind mit Radar- und Sensortechnik ausgestattet.
Von Kathinka Burkhardt
Dass Offshore-Wind ein Element der Landesverteidigung sein kann, ist in vielen Ländern ein neuer Gedanke. In Polen ist das anders. Wenn dort in der zweiten Jahreshälfte Baltic Power den Betrieb aufnimmt, ein Joint Venture des heimischen Energieversorgers Orlen mit Northland Power aus Kanada, dann ist das nicht nur ein Meilenstein der polnischen Energiewende – immerhin soll der 1,2-Gigawatt-Park bis zu 1,5 Millionen Haushalte versorgen.
Es ist darüber hinaus aber auch ein Schritt, um die Souveränität des Landes zu stärken. Denn die 76 Turbinen werden nicht nur Strom liefern, sondern auch Erkenntnisse für die Sicherheitskräfte. Mit Radar und Sensoren ausgestattet, werden sie nach Vorgaben des Verteidigungsministeriums das umliegende Seegebiet überwachen. Und das nur 200 Kilometer von der russischen Exklave Kaliningrad entfernt.
Offshore-Wind ist für Polen mehr als eine Stromquelle. Es geht um Sicherheit
Finnland, Schweden, Polen und die baltischen Republiken haben historisch ein größeres Sicherheitsbedürfnis gegenüber Russland. Während Deutschland die Beziehungen auch nach der Krim-Annexion 2014 noch ausbaute und erst nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine 2022 eine Zeitenwende ausrief, blieben diese Länder wachsam.
Den Einstieg in die Offshore-Windenergie betrachtet die polnische Regierung entsprechend von Beginn an unter Sicherheitsaspekten. Schon in der Vorbereitung war das Verteidigungsministerium eingebunden. Die Chance, in exponierter Lage auf See Daten zu sammeln und militärische Bewegungen zu beobachten, war fest eingeplant.