Daniela Schröder
„Ich kann Ideen einbringen, mit anpacken, den Ort positiv verändern“: Bürgermeister Luca Piwodda auf dem Feld, auf dem die Kleinstadt Gartz einen Windpark plant.
Von Daniela Schröder
Ein brach liegendes Feld bei Hohenreinkendorf in der Uckermark. Die Erde ist steinhart vom Winterfrost, eisiger Wind beißt ins Gesicht, in der Ferne drehen sich die Flügel von Windrädern. „Auf diesem Feld wollen wir unseren eigenen Park bauen“, sagt Luca Piwodda und tippt parallel eine Nachricht ins Telefon. Piwodda, 26, ist Bürgermeister der Kleinstadt Gartz an der Oder, Hohenreinkendorf ist Gartz‘ kleinster Ortsteil, und der Windpark ist eines von Piwoddas zentralen Projekten: Mit den Erneuerbaren will er die Stadt erneuern. Um Klimaziele geht es nur am Rande. Es geht um Einnahmen, um Unabhängigkeit und um die Zukunft einer Stadt, die lange vom Öl lebte.
Sieben Windräder gehören zum Plan, Leistung je 7,2 Megawatt, Nabenhöhe 199 Meter. Anfangs waren einige Bürger dagegen, doch Bauausschuss und Ortsbeirat zeigten Daumen hoch. Piwodda versicherte, alles gründlich prüfen zu lassen, beauftragte ein Planungsbüro mit einem Konzept, es gab drei Bürgerbeteiligungen. Die Gartzer Stadtverordneten stimmten schließlich geschlossen für das Windprojekt – inklusive einem von zwei AfD-Vertretern, der andere war nicht anwesend.
Die Gemeinde ist klamm. Der Windpark verschafft ihr Handlungsspielraum
Betrieben werden soll der Park als Genossenschaft und mit Anteilen schon ab 50 Euro, damit jeder Bürger am künftigen Gewinn teilhaben kann. Auch ein eigener Ökostromtarif mit vergünstigten Genossenschaftssätzen gehört zum Konzept. Doch der eigentliche Mehrwert liegt in den Einnahmen für die Gemeinde: Mit gut einer halben Million Euro pro Jahr rechnen die Projektplaner, obendrauf die Gewerbesteuer.
Für Gartz wäre es ein Segen. „Im Grunde haben wir kein Geld für irgendwas“, sagt Piwodda. Er kommt aus einer Haushaltssitzung des Landkreises, als nächster Termin steht eine Sitzung des Gartzer Ortsbeirats an, auch dort steht der Haushalt auf der Tagesordnung. Die 2400-Einwohner-Stadt rechnet 2026 mit Einnahmen von rund fünf Millionen Euro, knapp zwei Millionen gehen als Umlagen direkt weiter an Amt und Landkreis. Bleiben drei Millionen, dazu kommen für Gartz 1,12 Millionen aus dem Sondervermögen des Bundes für kommunale Infrastruktur – allerdings verteilt auf die Jahre bis 2035. Unterm Strich, sagt Piwodda, bleibt Gartz für das laufende Jahr ein Minus von 430.000 Euro.
Schulsanierung, Straßenbeleuchtung: Geld fehlt an allen Ecken
Die Ausgaben fressen die Einnahmen auf. Mal wieder. Im Ortsbeirat stellt Piwodda die Haushaltsposten vor: Budget für das Heimatmuseum, neue Elektrik im Vereinsheim, Solar-Ladestation am Radweg, neue Fenster in einem Dorfgemeinschaftshaus, Schulsanierung hier, neue Straßenbeleuchtung da, Straßenreparaturen überall, Anteil am Landstraßenausbau, die Liste ist lang. „Alles notwendige Investitionen“, sagt er, „aus den vergangenen Jahren haben wir weiter so einen Reformstau, ohne Haushaltsminus geht es nicht.“