Andreas Schmitz aka „Der Akku-Doktor“

  • Search30.01.2026

Ein Youtuber mit Mission

Vor sechs Jahren ging Andreas Schmitz mit seinem ersten Youtube-Video auf Sendung. Heute gestaltet er als „Akku Doktor“ die Energiewende mit: Porträt eines Nerds und Aufklärers.

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    Andreas Schmitz alias „Der Akku Doktor“ begeistert auf Youtube Hunderttausende für die Energiewende.

    Andreas Schmitz alias „Der Akku Doktor“ begeistert auf Youtube Hunderttausende für die Energiewende.

     

    Von Nils Husmann

    Die Energiewende hat gerade einen schweren Stand. In der öffentlichen Debatte ist sie kaum präsent. In Deutschlands Wohnstraßen dagegen ist sie allgegenwärtig: in Form funkelnder Solarpaneele, die immer mehr Menschen an ihren Balkonen befestigen. Hier boomt die Energiewende – als Do-it-yourself-Projekt engagierter Bürgerinnen und Bürger.

    Do it yourself setzt allerdings voraus, dass man weiß, wie es geht. Und da kommt Andreas Schmitz ins Spiel. Vor sechs Jahren ging sein erstes Erklärvideo auf Youtube auf Sendung, „Moin, Leute!“, begrüßte er die Zuschauer, die Schirmmütze auf dem Kopf. Schmitz hatte sich Solarmodule an den Balkon geschraubt und berichtete in dem noch ruckeligen Video von seinen Erfahrungen.

    Heute ist er professioneller Youtuber: Rund 431.000 Menschen haben seinen Kanal „Der Akku Doktor“ abonniert, einige Videos wurden bis zu zweieinhalb Millionen Mal geklickt. Wer sich auf Youtube über Balkonkraftwerke, Speicher, Wärmepumpen oder E-Autos informiert, kommt an Schmitz kaum vorbei. Zum „Akku Doktor“ wurde er, weil er in einem der ersten Videos zeigte, wie man schwächelnden Akkus mehr Leistung einhaucht. „Ich hätte nie gedacht, dass die Geschichte so eine Dynamik bekommen würde“, erzählt Schmitz im Gespräch mit EnergieWinde.

    Schmitz geht den Dingen gern auf den Grund, Astrofotografie ist sein großes Hobby. Er studierte Maschinenbauinformatik und Maschinenbau, promovierte zu mathematischen Optimierungsverfahren und mehrstufigen Gaußprozessen und arbeitet seit vielen Jahren im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Erneuerbare Energien spielten lange keine Rolle für ihn – bis er einem Freund ein kleines Solarpanel schenkte, um Handys aufzuladen. Neugierig schloss er ein Multimeter an und war erstaunt, wie viel Energie es lieferte. Das Interesse war geweckt.

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    Letztlich bin ich einer von ihnen und suche nach Lösungen, wie ich meinen Strom selbst machen kann

    Andreas Schmitz über seine Zuschauer

    Sein erstes Video entstand eher beiläufig. „Ich wollte es einfach mal ausprobieren und weiß noch, dass meine Frau lachte, weil alles improvisiert war“, erinnert sich Schmitz. Als die ersten Kommentare unter dem Video auftauchten, veränderte das vieles. Schmitz merkte: Er kann einen Unterschied machen und Menschen helfen. „Letztlich bin ich einer von ihnen und suche nach Lösungen, wie ich meinen Strom selbst machen kann.“

    Die Energiekrise ab 2021 gab Schmitz' Kanal einen Schub. Das Interesse an Balkonkraftwerken wuchs sprunghaft. Schmitz hatte sich früh Wissen angeeignet. Jetzt konnte er es an seine Community weitergeben. „Die Leute wollten wissen, wie man sparen und autarker werden kann.“ Die Reichweite seines Kanals wuchs rasant.

    Der „Akku Doktor“ hat eine riesige Fangemeinde. Doch im Netz geht es rau zu

    Doch mit der Aufmerksamkeit kamen auch die Schattenseiten. Als Schmitz auf die Gefahren der menschengemachten Erderwärmung hinwies, erntete er neben viel Zuspruch auch Kritik, Häme und sogar Drohungen. Zeitweise dachte er ans Aufhören. Erst seine Community überzeugte ihn weiterzumachen. Sie sammelte Geld, sodass Schmitz Mitarbeitende einstellen konnte, darunter einen professionellen Cutter. Seine Stelle beim DLR reduzierte er.

    Die Videos profitieren davon. Manche Beiträge erreichen eine inhaltliche Tiefe, die sich auch in klassischen Politik- oder Verbrauchermagazinen sehen lassen könnte – etwa wenn Schmitz erklärt, wie sich bei gebrauchten Elektroautos der Zustand der Batterie einschätzen lässt. Auch ohne großes Vorwissen lassen sich seine Ausführungen gut nachvollziehen.

    Mit den Jahren wurde Schmitz politischer. Unter anderem brachte er zwei Petitionen in den Bundestag ein, darunter eine der meistgezeichneten aller Zeiten. 100.000 Menschen unterstützten 2023 sein Anliegen, Balkonkraftwerke unbürokratischer betreiben zu können. „Sie können den härtesten Klimawandel-Skeptiker überzeugen, wenn er sieht, dass sich sein Zähler nicht mehr dreht“, sagte Schmitz im Petitionsausschuss.

    Die Zahlen geben ihm recht: Im vergangenen Sommer waren bereits über eine Million Anlagen bei der Bundesnetzagentur registriert – tatsächlich sind es wohl noch deutlich mehr.

    „Der Boom der Balkonkraftwerke hat seine Wurzeln schon etwa 2015, als sie wirtschaftlich wurden. Aber als Hauptpetent war Andreas 2023 unser starker Arm in der Medienpräsenz“, sagt Christian Ofenheusle vom Bundesverband Steckersolar im Gespräch mit EnergieWinde.

    Schmitz lebt vor, wie die Energiewende funktioniert. Und teilt sein Wissen

    Mit seinem Youtube-Kanal und dem Forum Akkudoktor.net ist Schmitz zu einem Treiber der Energiewende geworden. Er lebt vor, wie sich die eigene Energieversorgung Schritt für Schritt umstellen lässt. Seine Familie hat sich immer weiter elektrifiziert, sie heizt und fährt mit Strom.

    Was rät der „Akku Doktor“ Menschen, die einsteigen wollen? „Aus der Ferne gebe ich grundsätzlich keine Tipps für Menschen, von denen ich nicht weiß, wie sie wohnen und leben.“ Generell seien Solarmodule und Speicher aber so günstig geworden, dass sie für viele sinnvoll seien.

    Was ihn antreibt, hat sich seit dem ersten Video nicht geändert: „Mein Wissen und meine Erfahrung möchte ich einer breiten Öffentlichkeit kostenfrei zur Verfügung stellen.“ Dazu kommt die Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeitenden – und die Neugier, mit der alles begann.
    „Moin, Leute!“ – dieser ersten Begrüßung ist Andreas Schmitz über die Jahre ebenso treu geblieben wie der Schirmmütze. Und mit jedem Video zeigt er aufs Neue, dass Klimaschutz sehr wohl Menschen interessiert – wenn er im Alltag ankommt.

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