Vancouvers grüne DNA

Vom Hippie-Zentrum zum Klimapionier

Vancouver hat den ehrgeizigen Plan, die grünste Stadt der Welt zu werden. Ganz unrealistisch ist das nicht: Naturschutz hat einen festen Platz in der Geschichte der Stadt – wie die dramatischen Ereignisse bei der Gründung von Greenpeace zeigen.

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    Von Volker Kühn

    Sie tragen bunte Kleider, Mäntel und Stirnbänder, sie lassen sich die Haare wachsen, sie tanzen im Stanley Park und kiffen in den Kellern von Kitsilano: 1971 ist Vancouver der Nabel der globalen Gegenkultur. Amerikanische Kriegsdienstverweigerer treffen auf kanadische Friedensaktivisten, radikale Bürgerrechtler mischen sich mit Sozialisten und Feministen; Buddhisten, Nudisten und Vegetarier begeben sich gemeinsam auf Sinnsuche. Der Sommer of Love, der vier Jahre zuvor in San Francisco begonnen hat, dreht 1300 Kilometer weiter im Norden noch einmal richtig auf.

    Was all die Menschen eint, ist der Traum von einer besseren Welt – und die Angst vor der Zerstörung der bestehenden. Mit Demos und Sit-ins protestieren sie gegen den Krieg im fernen Vietnam. Noch größer allerdings ist die Furcht vor einer Bombe, die auf dem amerikanischen Kontinent gezündet werden soll: Die USA planen noch im selben Jahr einen unterirdischen Kernwaffentest. Auf Amchitka, einer Insel weit draußen vor Alaska, soll eine der größten Bomben aller Zeiten detonieren. Mit ihrer Sprengkraft von fünf Megatonnen könnte sie Erdbeben auslösen, fürchtet man, Tsunamis würden selbst weit entfernte Küsten treffen.

    Weil sich die Nixon-Regierung mit Protestgesängen nicht von ihren Plänen abbringen lässt, beschließt eine Gruppe von Männern in Vancouver, das Schicksal in die Hand zu nehmen. Mit der „Phyllis Cormac“, einem rostzerfressenen Fischkutter, machen sie sich auf den Weg in die Beringsee, um den Test doch noch zu verhindern. Auf das Segel haben sie das internationale Friedenssymbol und ein Wort in Großbuchstaben gepinselt: „GREENPEACE“.

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    Auf dem Segel des Boots, das im Herbst 2019 über den False Creek in Vancouver fährt, prangt kein Friedenssymbol, sondern eine stilisierte Sanduhr, darunter steht in Versalien: „EXTINCTION REBELLION“. Stundenlang kreuzt die kleine Yacht auf dem Meeresarm am Südrand der Innenstadt auf und ab, immer unter der Burrard Street Bridge hindurch. Durch den Regen dringen Musikfetzen von der Brücke herunter, es sind Friedenslieder, die Demonstranten oben auf der Fahrbahn angestimmt haben. Die Zufahrten links und rechts blockieren Polizeiwagen mit Blaulicht, der Verkehr wird umgeleitet.

    Vancouver: Extinction Rebellion blockiert die Burrard Street Bridge.

    Happening im Regen: Demonstranten blockieren die Burrard Street Bridge, einen der wichtigsten Zugänge nach Downtown Vancouver.

    „Wir werden so lange hierbleiben, wie wir können“, sagt Edison Huang, ein Sprecher von Extinction Rebellion, in die Kamera eines herbeigeeilten TV-Teams. Die Regierung müsse endlich wirksame Maßnahmen zum Schutz der Umwelt einleiten. „Es geht um die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder.“

    Am Morgen sind es 100, 150 Demonstranten, bis zum Mittag wächst die Menge auf vielleicht 500 an. Die Zahl der Autos, die zu dieser Zeit über die Burrard Street Bridge fahren würden, liegt um ein Vielfaches höher. Die Brücke ist eine der wichtigsten Zufahrten in die Innenstadt; die von den Behörden nicht genehmigte Blockade kostet die Pendler, die in den Wolkenkratzern von Downtown arbeiten, viel Zeit.

    Der Ärger hält sich allerdings in Grenzen. „Wir wissen seit Jahrzehnten vom Klimawandel, aber passiert ist nichts. Vielleicht ist es einfach Zeit für zivilen Ungehorsam“, sagt ein Autofahrer, der an der Polizeiabsperrung wenden muss.

    Das klingt nach ungewöhnlich viel Verständnis, passt aber zum Lebensgefühl dieser lässigen Metropole im Südwesten Kanadas. Zweieinhalb Millionen Menschen leben auf dem flachen Streifen zwischen den Pazifikstränden und den Coast Mountains, deren oft schneebedeckte Gipfel gleich hinter der Stadtgrenze auf mehr als 1000 Meter anwachsen. Vancouver ist ein Schmelztiegel der Kulturen, mehr als ein Drittel der Einwohner hat asiatische Wurzeln, nicht mal die Hälfte europäische. Zu Spannungen kommt es selten, Vancouver gilt als Vorbild in Sachen Multikulti. Es geht entspannt zu auf den Straßen, der Auftritt ist leger, der Umgangston entspannt. Eine unangemeldete Demo? Lockt hier kaum jemanden aus der Reserve.

    Vor allem, wenn es dabei um die Umwelt geht. Naturverbundenheit steckt tief in der DNA der Vancouverites. Kein Wunder, wenn man sich das Panorama anschaut, vor dem sich diese Stadt aufbaut. Wo sonst kann man vormittags auf dem Pazifik surfen und nachmittags in den Bergen Snowboard fahren? Durch Regenwald laufen und Orcas beobachten? Die Wildnis ist in Vancouver nie weiter als eine Stunde entfernt.

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    Während sich die „Phyllis Cormack“ durch den stürmischen Nordpazifik gen Amchitka kämpft, versammeln sich in Vancouver Tausende Studenten zu Protesten vor dem US-Konsulat. Auch in anderen kanadischen Städten gibt es Demonstrationen, ebenso in Alaska und Japan. Die Nachrichten davon geben den Aktivisten an Bord Auftrieb – und zugleich befeuern die Männer die Proteste mit Tonbandaufnahmen, die sie ans Festland funken. Radio- und Fernsehsender verbreiten sie weiter. Lange vor der Erfindung des Internets wird die Mission der „Phyllis Cormac“ auf diese Weise zum medialen Massenereignis. Bob Hunter, so etwas wie der inoffizielle Anführer der Aktivisten auf dem Schiff, spricht davon, eine „Mindbomb“ zünden zu wollen.

    Greenpeace-Gründer Bob Hunter auf der Phyllis Cormac.

    Auf Kurs nach Alaska: der Journalist und Aktivist Bob Hunter (links) am Ruder der „Phyllis Cormac“.

    Doch als die Männer am 16. Tag ihrer Reise gut 1000 Kilometer vor dem Ziel auf der kleinen Insel Akutan in Alaska Station machen, klettern Beamte der US-Küstenwache an Bord. Sie teilen ihnen mit, dass sie sich bei der Einreise in amerikanische Gewässer beim Zoll hätten melden müssen. Die Aktivisten werden aufgefordert, dies unverzüglich nachzuholen. Und zwar in Sand Point – die Gegenrichtung von Amchitka.

    Gleichzeitig jedoch geschieht etwas Bemerkenswertes: Die Küstenwache überreicht der Crew ein handbeschriebenes Blatt Papier, auf dem 18 Beamte unterzeichnet haben. Sie erklären sich solidarisch mit den Zielen der Aktivisten und wünschen ihnen Glück.

    Die Mindbomb hat gezündet, mitten in den Reihen der Gegner.

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    Von der Sinnlosigkeit eines Atomtests oder dem Wert der Umwelt muss in Vancouver heute niemand mehr überzeugt werden. Die Stadt ist ein Vorreiter der globalen Ökobewegung. Sie gehörte im vergangenen Jahr zu den ersten einer ganzen Reihe von Metropolen, die den Klimanotstand ausgerufen haben.

    Das Thema bewegt Vancouver aber schon viel länger. Bereits 1990 erarbeitete ein Komitee im Auftrag der Stadt Maßnahmen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes. 2011 beschloss Vancouver den „Greenest City Action Plan“: einen Katalog von Maßnahmen mit dem unbescheidenen Ziel, die grünste Stadt der Welt zu werden.

    Einer der Köpfe dahinter ist David Suzuki, Umweltaktivist und Träger des Alternativen Nobelpreises, der im früheren Hippie-Stadtteil Kitsilano lebt. „Wir hatten 21 Weltklimakonferenzen, und nichts ist geschehen. Sie verhandeln über unsere Atmosphäre, die niemandem gehört, aus dem Blickwinkel von 195 nationalen Grenzen. Wie soll das gehen?“, sagte Suzuki 2015 in einem Interview mit dem ARD-Magazin „Weltspiegel“. „Wir müssen auf lokaler Ebene anfangen, hier haben wir die Möglichkeiten dazu.“

    David Suzuki und Greta Thunberg bei Klima-Demo in Vancouver.

    Ikonen der Klimabewegung: David Suzuki, Träger des Alternativen Nobelpreises, und „Fridays for Future“-Begründerin Greta Thunberg bei einer Kundgebung 2019 in Vancouver.

    Vancouvers Klimaplan umfasst zehn Themengebiete, für die eine Vielzahl konkreter Maßnahmen beschlossen wurden. Im Vordergrund stehen Verkehr und Gebäude, da sie den größten Anteil des städtischen CO2-Ausstoßes ausmachen. Deswegen wird die Sanierung von Altbauten gefördert, Neubauten müssen klimaneutral sein. Viele Wohnblocks und Wolkenkratzer wurden begrünt, das gewaltige Dach des Kongresszentrums ist so zur Heimat für Bienen und andere Insekten geworden.

    Die Busse im Stadtgebiet fahren mit Oberleitung längst elektrisch, einige der Fähren rings um die Downtown-Halbinsel haben Elektromotoren. Dazu durchziehen breite Fahrradstraßen die Stadt. An Hauptstraßen wurde dem Autoverkehr dafür eine Spur weggenommen. Zwar dominieren die Pick-ups mit brusthohem Kühlergrill noch immer das Bild, aber mehr und mehr Radler flitzen dazwischen umher.

    Im Hafen versorgen Kabel die Kreuzfahrtschiffe mit Strom vom Land – in anderen Häfen erzeugen die Riesenpötte ihren Strom selbst, indem sie Schiffsdiesel verbrennen. Und mitten in Vancouver überlässt die Stadt Urban Farmers sündhaft teuren Grund praktisch kostenlos, damit sie darauf Gemüse ziehen.

    Auf diese Weise hat Vancouver einen großen Schritt vorwärts gemacht: Die CO2-Emissionen sanken zwischen 2007 und 2018 um zwölf Prozent, die Zahl der Green-Tech-Jobs ist um 35 Prozent in die Höhe geschnellt. Weil das allerdings nicht genügt, um die Ziele des Weltklimarats zu erreichen, hat Vancouver die Maßnahmen mit dem „Climate Emergency Action Plan“ Anfang 2019 noch einmal verschärft. „Wir müssen den CO2-Ausstoß fünfmal schneller reduzieren als bislang“, erklärt eine Sprecherin der Stadt.

    Fotostrecke: Vancouver auf dem Weg
    zur grünsten Stadt der Welt

    Skyline von Vancouver vom Stanley Park aus gesehen.

    An wenigen Orten rücken Stadt und Wildnis so dicht zusammen wie im kanadischen Vancouver. Gleich gegenüber der Skyline aus Glas und Stahl liegt der Stanley Park, ein Regenwald mit einer halben Million Bäume. Das Grün ist aber nicht auf Parks beschränkt, es findet sich ...

    ... selbst mitten in Downtown: in baumbestandenen Straßen, in üppig bewachsenen Vorgärten, auf  begrünten Terrassen, Balkons und Hausdächern. Mehr als die Hälfte der städtischen Treibhausgasemissionen gehen auf den urbanen Raum zurück. Deshalb ...

    Vancouver will grünste Stadt der Welt werden: Selbst das Dach dieses Hochhauses ist begrünt.

    ... hat Vancouver in seinem „Greenest City Action Plan“ rigorose Vorschriften für den Bausektor erlassen. Von diesem Jahr an müssen Neubauten CO2-neutral sein. Bäume entdeckt man praktisch überall, etwa auf diesem Wolkenkratzer im Stadtteil Gastown ...

    ... oder auf diesem Balkon eines Hochhauses im angesagten Viertel Yaletown. Damit auch Altbauten energetisch saniert werden, hat die Stadt finanzielle Anreize geschaffen. Ein weiterer großer CO2-Emittent ist der Verkehr. Ein Teil der Strecken wird traditionell ...

    Vancouver: Wassertaxi auf dem False Creek.

    ... per Fähre zurückgelegt. Die elektrisch betriebenen „False Creek Ferries“ etwa bringen Pendler und Touristen auf die Halbinsel Granville Island südwestlich von Downtown. Auch die Stadtbusse fahren dank Oberleitung elektrisch. Besonderes Augenmerk ...

    Fahrradstadt Vancouver: Radfahrer haben komplette Spuren als Fahrradstraßen erhalten, die vorher für Autos reserviert waren.

    ... legt die Stadt daneben auf den Ausbau des Radverkehrs. Auf vielen Hauptstraßen mussten Autofahrer dafür Spuren abgeben, die zu Radwegen umfunktioniert wurden, etwa auf der Burrard Street Bridge. Das Ziel der Stadt ist, dass mehr als 50 Prozent ...

    ... aller Strecken zu Fuß, mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden. Zudem soll die gefahrene Strecke pro Kopf gegenüber 2007 um 20 Prozent gesenkt werden. Ein Vorreiter im Kampf für saubere Luft ist Vancouver auch ...

    Vancouver Canada Place Kreuzfahrtschiff.

    ... bei der Versorgung von Kreuzfahrtschiffen mit Strom vom Festland. In vielen anderen großen Häfen erzeugen die Schiffe ihren Strom per Schiffsdiesel selbst – eine erhebliche Belastung für die Luft in den Städten. Ein ungewöhnlicher Anblick in Vancouver ...

    Vancouver: Urban Farm.

    ... sind die Urban Farms: Brachflächen, die zum Obst- und Gemüseanbau genutzt werden. Es gibt sie selbst in Downtown, wo die Preise für Bauland in die Höhe schnellen. Diese Farm hier könnte allerdings bald einem Wolkenkratzer weichen. Wie grün ...

    ... Vancouver ist, zeigt sich besonders eindrucksvoll aus der Luft. Rechts auf dem Bild liegt Downtown. Ein kleiner See trennt das Häusermeer vom Stanley Park, dessen Baumriesen zum Teil schon standen, als im Jahr 1792 der britische Kapitän ...

    Vancouver: Totempfahl der First Nations im Stanley Park.

    ... George Vancouver auf der Suche nach der Nordwestpassage die Region erkundete. Damals gehörte sie noch den Ureinwohnern; Totempfähle im Stanley Park erinnern daran. Neben gewaltigen Douglasien, Hemlocktannen oder Sitka-Fichten wachsen ...

    Vancouver: Palmen.

    ... in Vancouver dank des milden Klimas sogar Palmenarten wie hier an der English Bay am Pazifik. Dass die Stadt in Ranglisten der lebenswertesten Metropolen stets vordere Plätze belegt, verdankt sie auch ihrem hohen Freizeitwert. Die Sportbegeisterung ...

    Vancouver: Kite-Surfer auf der English Bay.

    ... der Vancouverites ist legendär. Wer bei Kanada nur an Wintersport denkt, täuscht sich allerdings. Selbst bei neblig-trübem Herbstwetter sieht man Segler und Kitesurfer vor den Stränden der Stadt. Nicht mal eine Stunde benötigt man, um von hier ...

    ... auf den Grouse Mountain zu gelangen, Vancouvers 1231 Meter hohen Hausberg. Mehr als 20 Pisten stehen Skiläufern und Snowboardern hier zur Verfügung. Wem der Ausblick vom Gipfel nicht genügt, kann noch einmal gut 60 Meter weiter ...

    ... in die Höhe klettern: Pünktlich zur Austragung der Olympischen Winterspiele im Jahr 2010 hat ein Windrad auf dem Grouse Mountain den Betrieb aufgenomm, das „Eye of the Wind“. Die schon von Weitem sichtbare Besonderheit der Anlage ...

    ... besteht in ihrer Ausgucksplattform unter der Turmspitze. Windenergie spielt in Vancouver dennoch eine untergeordnete Rolle, die Provinz British Columbia versorgt sich fast komplett per Wasserkraft. Im Kampf gegen den CO2-Ausstoß geht die Region ...

    ... allerdings noch andere Wege: In der Kleinstadt Squamish, 50 Kilometer nördlich von Vancouver, betreibt die Firma Carbon Engineering eine Pilotanlage, um CO2 aus der Luft zu filtern und in Kraftstoff umzuwandeln. Auch das kann ein Weg sein, um ...

    Joffre Lakes Provincial Park (third lake) in British Columbia, Nähe Vancouver und Whistler.

    ... die Schönheit der kanadischen Wildnis zu erhalten, die gleich hinter der Stadtgrenze von Vancouver beginnt. Wer dem Sea-to-Sky-Highway an Squamish vorbei weiter folgt, passiert eine ganze Reihe von imposanten Naturparks. Einer davon ist ...

    Joffre Lakes Provincial Park in British Columbia, Nähe Vancouver und Whistler.

    ... der Joffre Lakes Provincial Park. Ein Wanderweg führt in zwei bis drei Stunden an tiefgrünen Seen vorbei bis zum schneebedeckten Matier-Gletscher. Oben angekommen, wirkt das Häusermeer des quirligen Vancouver unendlich weit weg.

    Zwei Großveranstaltungen haben Kanadas Vorzeigemetropole bei ihrem Modernisierungsschub geholfen: die Weltausstellung 1986 und die Olympischen Winterspiele 2010. Vielleicht noch wichtiger aber war das Jahr 1997 als Großbritannien die Kronkolonie Hongkong an China übergab. Viele reiche Hongkong-Chinesen transferierten damals ihr Geld ins Ausland, wovon vor allem Vancouver stark profitierte. Die Stadt erhielt damit die Mittel, um sich neu zu erfinden. Weil der chinesische Einfluss so groß ist, sprechen manche schon von Hongcouver.

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    Als die „Phyllis Cormac“ Sand Point erreicht, bricht Streit in der Crew aus. Sieben Tage sind es von hier bis Amchitka. Sollen die Männer einen neuen Anlauf starten, um die Insel zu erreichen? Inzwischen hat sich das Herbstwetter verschlechtert, die Wellen in der eiskalten Beringsee sind meterhoch, die meisten an Bord besitzen keinerlei Erfahrung in der Seefahrt. Hunter will die Mission trotzdem unbedingt fortsetzen. Tagelang können sich die Aktivisten nicht einigen. Dann gibt Hunter auf.

    Er ist verzweifelt, das ganze Projekt war ein Fehlschlag. „Wir wollten die Welt durch unser gutes Beispiel retten. Aber in Wahrheit verbrachten wir die meiste Zeit mit Streitereien“, schreibt er später.

    Doch zurück in Vancouver empfängt eine jubelnde Menge die Crew wie Helden. „Zwölf wütende Männer haben ein Zeichen gesetzt“, schreibt die „New York Times“. Selbst Kanadas Premierminister Pierre Trudeau verurteilt die Atomtests inzwischen. „Der durch unsere Fahrt ausgelöste politische Druck übertraf unsere kühnsten Träume“, erinnert sich Hunter.

    Am 6. November 1971 wird die Bombe auf Amchitka gezündet. Es ist die bislang größte – aber auch die letzte. Wenig später beendet die US-Regierung das Programm und sagt weitere Tests ab.

    Da haben die Männer um Hunter schon ihren nächsten Gegner gefunden: Die Gruppe, die sich nun offiziell Greenpeace nennt, wird von Vancouver aus erneut in See stechen. Um die Wale zu retten.

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