Fünf nachhaltige Start-ups

  • Search25.02.2026

Altruismus trifft Geschäftssinn

Häuser aus Holzbausteinen, Plastikersatz aus Naturrohstoffen, Recycling-Batterien: fünf Start-ups aus der Green Economy, die Gutes tun und Geld verdienen.

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    Traceless-Gründerin Anne Lamp (rechts) hat eine nachhaltige Alternative zu Kunststoff entwickelt. Foto: Picture-Alliance/dpa

    Traceless: Rettung aus der Plastikflut

    Als die Bioplastiktüte auf den Markt kam, war der Jubel groß. Endlich eine Öko-Alternative zu Plastik, das ja nie verrottet, sich nur zersetzt und dann als Mikroplastik Ärger macht. Doch bald kehrte Ernüchterung ein: Biotüten sind Mogelpackungen, sie verrotten viel zu langsam, sagen Experten. Außerdem bestehen sie aus Mais oder Zuckerrohr, das auf Äckern angebaut wird, die für Lebensmittel gebraucht werden.

    Beim Kunststoffersatz des Hamburger Start-ups Traceless ist das anders. Sein Grundstoff sind natürliche Polymere: Moleküle, die die Natur selbst hergestellt hat und die sie auch wieder abbauen kann. Gewinnen lassen sie sich aus Reststoffen der Getreideverarbeitung. Im Kompost löst sich das Material schon nach wenigen Wochen auf. Traceless entwickelte ein Verfahren, um aus Granulat Folien, feste Materialien oder hauchdünne Papierbeschichtungen herzustellen, sagt Firmengründerin Anne Lamp. Fünf Jahre nach der Gründung sind aus zwei Mitarbeitern hundert geworden. Investoren steckten einen zweistelligen Millionenbetrag in das Start-up, und in einer früheren Großbäckerei in Hamburg sollen mehrere Tausend Tonnen Plastikersatz pro Jahr hergestellt werden.     Foto: Foto: Picture-Alliance/dpa

     

    Gründerteam von Cylib 2025. Foto: Jann Höfer

    Cylib: Recycling-Batterien aus Dormagen

    Sondermüll? Elektroschrott? Nein, für Jungunternehmerin Lilian Schwich sind ausgediente Batterien aus Elektroautos ein großer Schatz. Die promovierte Werkstofftechnikerin hat mit ihrem Team beim Aachener Start-up Cylib eine Technologie entwickelt, die aus Lithium-Ionen-Batterien nicht nur Kobalt und Nickel, sondern auch Lithium und Graphit abtrennt. Ihr neuer Prozess gewinnt die Rohstoffe zudem besonders effizient und umweltfreundlich zurück. Cylib gilt daher als einer der hoffnungsvollsten Shootingstars.

    Die Gründer haben mehrere Förder- und Finanzierungsrunden seit dem Start 2022 erfolgreich abgeschlossen und Schwergewichte wie Bosch und Porsche als Investoren gewonnen. In Dormagen entsteht gerade ein Werk, mit dem die Technologie in die industrielle Anwendung kommen soll. Erste Abnehmer sind schon da. Ein „großer internationaler Batterieproduzent“ nutze das recycelte Lithiumcarbonat von Cylib erstmals bei der Herstellung neuer Batteriezellen, hat das Unternehmen gerade stolz verkündet. „Dieses Projekt zeigt, dass Europa eine wirklich zirkuläre Batterie-Wertschöpfungskette aufbauen kann“, sagt Schwich. Das ist nötig, wenn Europa in der E-Mobilität unabhängiger von China werden will.     Foto: Jann Höfer

     

    Ein Bauarbeiter setzt ein Haus aus Triqbriq-Bausteinen zusammen. Foto: Triqbriq

    Triqbriq: Häuser aus Holzbausteinen

    Die Bauindustrie verbraucht weltweit rund 40 Prozent der Ressourcen und verursacht etwa 38 Prozent der CO-Emissionen. Das Tübinger Start-up Triqbriq bietet seit 2021 eine radikale Alternative: ein Massivholz-Bausystem, das an das Lego-Prinzip erinnert. Statt Ziegel oder Beton kommen mikro-modulare Holzbausteine zum Einsatz, sogenannte Briqs. Sie lassen sich ohne Mörtel oder Kleber zu stabilen Wänden verbinden.

    Die Briqs bestehen aus regionalem Nadelholz, Alt- und Schadholz, das sonst oft verbrannt würde. Durch ein patentiertes System aus Noppen, Löchern und Buchenholzdübeln fügen sie sich zu tragenden Wänden zusammen, die sich später bei Bedarf abbauen und wiederverwenden lassen.

    Den Praxistest hat das System bereits bestanden: 2023 entstand in Frankfurt ein mehrgeschossiges Wohnhaus, dessen Rohbau in nur sechs Tagen fertiggestellt wurde. 2025 eröffnete ein Supermarkt in Braunschweig komplett aus Briqs. Triqbriq hat zahlreiche Preise gewonnen und arbeitet inzwischen mit mehr als 100 Mitarbeitern daran, das System in die Breite zu tragen.     Foto: Triqbriq

     

    Gründerteam von Trash Galore. Foto: Unternehmen

    Trash Galore: Zweites Leben für Messe-Müll

    Wenn Messen und andere Großveranstaltungen vorbei und die Besucher wieder zu Hause sind, bleibt vor allem eines zurück: viel Müll. Fußböden, Mobiliar, Schilder oder Banner. Für Anne-Sophie Müller, Lukas Binner und Fabian Höffner ist das vor allem eines: eine riesengroße Verschwendung. Sie haben viele Jahre auf Messen und Events wie der Berlin Fashion Week beim Abbau geholfen. Da blutete ihnen regelmäßig das Herz, wenn tonnenweise Material im Container landete.

    Alle drei waren auch im Kulturbereich engagiert und wussten, wie gut man solche Sachen etwa auf Festivals brauchen könnte. „Da kam uns irgendwann der Gedanke, das zusammenzubringen“, sagt Müller. So entstand Trash Galore, was so viel wie „Müll im Überfluss“ bedeutet. Deutschlandweit holt das Leipziger Unternehmen gegen Bezahlung Messeabfälle ab, die andere noch gebrauchen können. So baute Trash Galore etwa 2025 den Messestand eines Spanplattenherstellers ab – und lieferte zwölf Tonnen Bodenplatten an eine Werkstatt für Geflüchtete. Das hilft nicht nur dem guten Gewissen, sondern liefert den Unternehmen auch eine bessere Abfall- und CO2-Bilanz.     Foto: Trash Galore

    Dryad platziert Sensoren im Wald, die frühzeitig Feuer erkennen.

    Dryad: Mit Sensoren gegen Waldbrände

    In Kalifornien, Russland oder Griechenland stehen Sommer für Sommer ganze Landstriche in Flammen. Auch in Deutschland sind Waldbrände mit der Klimaerhitzung ein zunehmendes Problem. Oft werden sie zu spät bemerkt, weil die Brandherde fern der Zivilisation tief im Wald liegen. Das Start-up Dryad aus dem brandenburgischen Eberswalde hat einen solarbetriebenen Rauchsensor entwickelt, der solche Brände frühzeitig erkennt.

    Mitgründer Carsten Brinkschulte erklärt: „Die Sensoren funktionieren wie digitale Nasen, sie riechen sozusagen das Feuer.“ Ein Funknetz leitet die Messdaten an die Online-Plattform von Dryad. Dort analysiert eine KI die Zusammensetzung der Gase. Bei Anzeichen für Feuer schlägt sie Alarm und verständigt Feuerwehr oder Behörden. Mittlerweile sind mehr als 20.000 Sensoren weltweit im Einsatz. Bei einem Waldbrand im Libanon habe das System nach 30 Minuten Alarm geschlagen und eine Ausbreitung des Feuers verhindert. In Zukunft sollen die Sensoren auch digitale Ohren bekommen, mit denen sie etwa Kettensägen erkennen und so illegalen Holzeinschlag verhindern können.     Foto: Dryad

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