Streitthema Klimaschutz

Klimafrieden unterm Tannenbaum

Wenn zu Weihnachten das Gespräch aufs Klima kommt, wird das Fest der Liebe leicht zum Fest der Krise. Zum Glück lässt sich dem Familienzoff mit ein paar geschickten Sätzen die Schärfe nehmen: Fünf Argumentationshilfen.

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    Es wird heiß auf der Erde. Aber hitzige Diskussionen unterm Weihnachtsbaum müssen trotzdem nicht sein.

    Einmal im Jahr reist die Verwandtschaft an, einmal im Jahr soll alles harmonisch sein – und einmal im Jahr liegt sich dann die ganze Familie in den Haaren: Unter dem Weihnachtsbaum brechen oft Konflikte aus, die schon lange unter der Oberfläche brodeln. Besonders heiß dürfte diesmal über den Klimaschutz diskutiert werden, schließlich hat kein anderes Thema die Deutschen im zurückliegenden Jahr so stark bewegt.

    Das heißt aber nicht, dass der Abend zwangsläufig im Geschrei enden muss: Wer auf krude Sprüche und schlechte Argumente besonnen reagiert, kann den klimatischen Super-GAU verhindern. Die folgenden fünf Beispiele zeigen, wie es geht.

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    Die Situation: Charlotte hat zum ersten Mal allein gekocht, stolz präsentiert die 15-Jährige die Menüfolge des Abends: vorweg Rote-Beete-Carpaccio an Meerrettichschaum, zum Hauptgang Trüffelrisotto mit gebratenen Waldpilzen, anschließend Schattenmorellen auf Lebkuchenmousse. „Alles vegan diesmal. Das ist besser fürs Klima.“

    Sagt der Onkel: „Wenn ich das schon höre! Deutschland trägt nur zwei Prozent zum globalen CO2-Ausstoß bei, aber wir kriegen nur noch Beilagen, weil richtiges Essen klimaschädlich ist. Das bringt doch gar nichts, wenn wir uns einschränken!“

    Ihr Konter: „Stell dir mal vor, du sitzt mit vielen anderen Leuten in einem Rettungsboot mit lauter Löchern, aus denen die Luft entweicht. Hältst du das Loch in deiner Ecke dann lieber zu, oder lässt du es offen, weil es ja nur eins von 50 Löchern ist? Siehst du! Jeder muss seinen Teil dazu beitragen, damit alle eine Chance haben. Und außerdem ist zu viel Fleisch auch gar nicht gesund.“

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    Die Situation: Tobias erzählt beim Risotto, dass er sich im nächsten Jahr ein Elektroauto kaufen will. „Ich bin lang genug mit einem schmutzigen Diesel herumgefahren.“

    Sagt der Onkel: „Du weißt aber schon, dass der Strom dafür auch aus Kohlekraftwerken kommt? Da kannst du genauso gut mit einem Verbrennungsmotor fahren.“

    Ihr Konter: „Deutschland hat inzwischen einen Ökostromanteil von 43 Prozent, Tendenz steigend. Die Klimabilanz von Elektroautos wird also jedes Jahr besser. Die von Verbrennern dagegen nicht. Zwar sind neue Motoren effizienter als alte. Aber weil immer mehr besonders schwere Autos mit großen Motoren verkauft werden, macht das alle Klimafortschritte zunichte. Ein E-Auto ist da allemal die bessere Alternative. Wenn man nicht darauf angewiesen ist, wäre es natürlich noch klüger, auf ein eigenes Auto zu verzichten. Dann steht man auch nicht so viel im Stau herum.“

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    Die Situation: Opa packt strahlend das Fernglas aus, das ihm die Enkel geschenkt haben. „Jetzt kann ich die Vögel im Garten noch besser beobachten!“

    Sagt der Onkel: „Ich fürchte, das war rausgeschmissenes Geld. Es gibt doch sowieso bald keine Vögel mehr, weil überall diese Vogelschreddermaschinen gebaut werden. Und hässlich sind die Dinger auch noch!“

    Ihr Konter: „Vogelschreddermaschinen? Meinst du die 57 Millionen Autos auf deutschen Straßen? Stimmt, die sind wirklich hässlich. Aber im Ernst: Natürlich kommen auch in den 30.000 Windrädern Vögel um. Deswegen sollten sie auch nicht in Schutzgebieten gebaut werden. Aber wer den Vögeln wirklich helfen will, sollte nicht gegen Windmühlen kämpfen, sondern gegen den Klimawandel, unter dem Flora und Fauna mindestens ebenso leiden wie wir Menschen. Die mit Abstand meisten Vögel sterben übrigens durch Kollisionen mit Fensterscheiben.“

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    Die Situation: „Und, fliegt ihr im Sommer wieder nach Kanada?“, will der Onkel von den Gastgebern wissen. „Nein, wir fahren an die Nordsee. Man kann ja nicht jedes Jahr eine Fernreise machen – schon aus Klimagründen.“

    Sagt der Onkel: „Mein Gott, immer diese Selbstkasteiung! Immer soll man verzichten, und alles, was Spaß macht, wird verboten. Das hat ja schon was von einer Ersatzreligion!“

    Ihr Konter: „Ich glaube, du verwechselst Religion und Physik. Je mehr Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen, desto heißer wird es auf der Erde, und desto härter treffen uns die Folgen. Wenn jemand etwas dagegen tut, sollte man ihn also nicht beschimpfen, sondern ermuntern. Im Übrigen helfen auch kleine Schritte: Der Klimawandel verläuft schließlich nicht linear, sondern exponentiell. Es lohnt sich deshalb, gegen jedes Zehntelgrad Erderwärmung zu kämpfen.“

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    Die Situation: Oma fragt Charlotte, was sie später mal studieren will. „Das weiß ich noch nicht. Aber am liebsten im Ausland. Neuseeland oder Kalifornien wären super!“

    Sagt der Onkel: „Erst tischt du uns dein veganes Meerrettich-Carpaccio auf, und jetzt erzählst du, dass du um die Welt jetten willst? Was für eine Doppelmoral!“

    Ihr Konter: „Also sollte Charlotte lieber nach Neuseeland fliegen und  Fleisch essen, um moralisch integer zu bleiben? Das wäre dann ja noch klimaschädlicher. Freu dich doch lieber darüber, dass sie beim Essen schon mal einen Anfang macht. Außerdem können Auslandsaufenthalte unglaublich bereichernd sein. Es geht hier ja nicht um einen Wochenendtrip nach Barcelona oder einen Dienstflug von Köln nach Berlin. Das wäre tatsächlich unvernünftig.“

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