Offshore-Wind-Ausbau

  • Search23.07.2026

Großer Fortschritt, große Unsicherheit

In diesem Jahr wächst Deutschlands Offshore-Windenergie so stark wie nie. Doch ob es so weitergeht, ist fraglich. Denn die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen haben sich verschlechtert.

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    Bau eines Offshore-Windparks in der Nordsee: Derzeit stehen rund 1800 Windräder in deutschen Gewässern.

    Bau eines Offshore-Windparks in der Nordsee: Derzeit stehen rund 1800 Windräder in deutschen Gewässern.

     

    Von Volker Kühn

    Deutschlands Offshore-Windenergie erlebt ein Rekordjahr: Parks mit einer Leistung von fast 2,2 Gigawatt werden bis Ende 2026 vollständig in Betrieb gehen – mehr als in jedem anderen Jahr seit dem Start von Alpha Ventus 2010. Doch Jubelstimmung will in der Branche nicht aufkommen. Denn die Aussichten sind unsicher.

    Die gescheiterte Auktion von Offshore-Wind-Flächen im August 2025 und die verschobenen Auktionen in diesem Jahr zeigen, wie sehr sich die Bedingungen verschlechtert haben.

    Ausbau der Offshore-Windenergie in der deutschen Nord- und Ostsee: Die Infografik zeigt, den jährlichen Zuwachs der Leistung von 2010 bis 2026 auf heute gut 11 Gigawatt. Infografik: Benedikt Grotjahn
    • Teures Auktionsdesign: Die Ausschreibungen sind so gestaltet, dass sie möglichst viel Geld in die Staatskasse spülen. Doch das Geld muss von den Betreibern zurückverdient werden. Die Folge: Der Offshore-Wind-Strom verteuert sich – oder die potenziellen Betreiber ziehen sich zurück, weil die Ertragsaussichten mau sind.
    • Gestiegene Baukosten: Steigende Zinsen, stark verteuerte Rohstoffe und begrenzte Produktionskapazitäten bei Herstellern und Spezialschiffen befeuern die Projektkosten.
    • Schleppender Netzausbau: Fertiggestellte Windparks können unter Umständen über Monate hinweg keinen Strom einspeisen, da die Stromleitungen nicht rechtzeitig fertiggestellt werden.

    „Solange bezuschlagte Projekte in der Schwebe sind und der künftige Rechtsrahmen offenbleibt, bestehen erhebliche Unsicherheiten für Projektentwickler, Hersteller, Zulieferer und Investoren“, heißt es bei den Verbänden der Offshore-Industrie. Gemeinsam machen sie sich für die Einführung sogenannter zweiseitiger Differenzverträge (CfDs) stark.

    Dabei wird ein Mindeststrompreis festgelegt. Fällt der Marktpreis an der Strombörse darunter, gleicht der Staat die Differenz aus; liegt er darüber, fließt das Geld an den Staat zurück. Das stabilisiert die Finanzierungsbasis der Parks.

    Zudem müsse der Bund eine Regelung für die zwischen 2023 und 2025 versteigerten Windparkflächen treffen. Denn ob dort tatsächlich gebaut wird, ist unsicher. „Wo Projekte unter negativ veränderten Rahmenbedingungen und gestiegenen Risiken multipler Krisen nicht mehr umgesetzt werden können, ist die Bundesregierung gefordert, gesetzlich verankerte Kriterien für eine Rückgabeoption zu prüfen sowie einen damit verbundenen Mechanismus, um die betroffenen Flächen unverzüglich neu auszuschreiben“, so die Verbände. Nur dann würden Flächen und Netzanschlüsse frühzeitig wieder verfügbar, neue Projekte könnten realisiert und verlässliche Perspektiven für die Lieferkette geschaffen werden.

     

    Bau einer Umspannstation in der Nordsee: Verzögerungen im Netzanschluss setzen der Offshore-Windenergie zu.

    Umspannstation in der Nordsee: Verzögerungen im Netzausbau belasten die Offshore-Windenergie.

    Insgesamt kommt Deutschland derzeit auf 31 vollständig in Betrieb gegangene Offshore-Windparks, davon 25 in der Nord- und sechs in der Ostsee. Borkum Riffgrund 3, He Dreiht und Windanker liefern ebenfalls bereits Strom und sollen bis Jahresende komplett in Betrieb sein. Anfang 2027 wird der 660-Megawatt-Park Nordseecluster A folgen; die erste von 44 Turbinen speist seit dieser Woche Strom ein.

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