Weniger Wind, mehr Sonne

  • Search01.04.2026

Was das Energiewetter 2025 für die Erneuerbaren bedeutet

Der Deutsche Wetterdienst zieht Bilanz für 2025:  Das Wetter wird für die Stromversorgung immer entscheidender. Künftig rechnen die Forscher mit mehr Hitzewellen, vor allem im Süden und Osten.

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    Experten des Deutschen Wetterdienstes: Der Klimawandel verändert das Wetter – und damit auch den Ertrag von erneuerbaren Energien.

    Experten des DWD: Der Klimawandel verändert das Wetter – und damit auch den Ertrag von erneuerbaren Energien.

     

    Von Julia Graven

    Meteorologisch war 2025 ein Jahr der Gegensätze – zumindest aus Sicht der Energieerzeuger. Deutschland erlebte insgesamt windärmere Bedingungen als im langjährigen Mittel, während die Sonneneinstrahlung überdurchschnittlich ausfiel. Das hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) bei seiner Klimapressekonferenz am 31. März in Berlin deutlich gemacht.

    „Mit dem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien gewinnt das Wetter als Einflussfaktor für die Stromerzeugung weiter an Bedeutung", sagt Jaqueline Drücke vom Energieprogramm der DWD-Abteilung Klima und Umwelt. Generell seien Wind und Sonne eine ideale Paarung: Die höchsten Werte der Windgeschwindigkeiten fallen typischerweise in die Wintermonate, die stärkste Sonneneinstrahlung in den Sommer. Insgesamt ergänzen sich die beiden Energiequellen im Jahresverlauf sehr gut, betont Drücke, „da die Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen dadurch kontinuierlicher nutzbar wird.“

    Mehr als die Hälfte des deutschen Stroms stammt inzwischen aus erneuerbaren Quellen. Exakt 55,1 Prozent des Bruttostromverbrauchs deckten sie im Jahr 2025. Doch mit dem wachsenden Anteil der Erneuerbaren wird das Wetter vom Hintergrundrauschen zum Hauptdarsteller.

    Wind und Sonne sind eine ideale Paarung, sagt Jacqueline Drücke vom Energieprogramm der DWD-Abteilung Klima und Umwelt mit Blick auf das Energiewetter 2025.

    Wind und Sonne als ideale Paarung: Jacqueline Drücke vom Energieprogramm des Deutschen Wetterdienstes zur meteorologischen Bilanz des Jahres 2025

    So waren etwa von Februar bis April stabile Hochdrucklagen für viel Sonne und wenig Wind verantwortlich. Die Windgeschwindigkeiten waren 20 bis 30 Prozent niedriger als im langjährigen Mittel. Das Frühjahr 2025 war das windärmste seit 1950.

    Dass es eine grundsätzliche Zunahme solcher Großwetterlagen gebe, konnten die Wetter-Experten allerdings nicht bestätigen. Die langjährige Auswertung seit 1940 zeige „keinen signifikanten Trend dieser Großwetterlagen“ für das Frühjahr, so Drücke. Zudem sei laut Andreas Becker, Abteilungsleiter der Klimaüberwachung des DWD, unter Forschern noch umstritten, ob die rasante Erwärmung der Arktis tatsächlich Wetterlagen in Europa blockiert und so lange windarme und sonnenreiche Perioden mit sich bringt.

    In diesem Zusammenhang weist Drücke allerdings auf einen physikalischen Effekt hin, der im Winterhalbjahr Phasen mit wenig Wind abmildern kann: „Solarmodule arbeiten bei niedrigeren Temperaturen effizienter“. Das trage bei zu „vermehrter Energieproduktion in den kälteren Monaten“. Ihre Erklärung: „Je wärmer ein Solarmodul, desto mehr Energie geht als Wärme verloren. Bei kühleren Temperaturen ist die umgewandelte Leistung höher, wodurch das kühlere Modul mehr Strom liefert.“

    Vernetzung lohnt sich – weil sich Wetterschwankungen in Europa ausgleichen

    Für die Energiewende besonders relevant: Was regional wie ein Problem aussieht, löst sich im größeren Maßstab oft auf. Während einzelne Regionen windärmere Phasen erlebten, waren andere gleichzeitig windreicher. Im europäischen Verbund spielt diese räumliche Ergänzung eine wichtige Rolle: Wind- und Solarenergie ergänzen sich sowohl über das Jahr hinweg als auch über verschiedene Regionen Europas. Diese Vielfalt kann dazu beitragen, wetterbedingte Schwankungen bei der Stromerzeugung besser auszugleichen. Grenzüberschreitende Stromleitungen zahlen sich damit aus.

    Energiewende: Sonne und Wind ergänzen sich im Jahresverlauf gut. Infografik: Benedikt Grotjahn

    Neben dem Energiewetter-Rückblick stellt der DWD erstmals Ergebnisse seiner neuen Referenz-Ensembles vor. Das sind qualitätsgeprüfte Klimaprojektionen, die den Zeitraum 2071 bis 2100 mit der Referenzperiode 1961 bis 1990 vergleichen. Die Kernaussage: Deutschland wird sich weiter erwärmen, besonders in Süd- und Ostdeutschland drohen mehr Hitzewellen und Tropennächte. Die Niederschlagsmuster verschieben sich – feuchtere Winter im Norden, trockenere Sommer im Westen.

    „Der Klimawandel betrifft uns alle, unabhängig von Region oder Sektor. Und das unterstreicht die Wichtigkeit von Klimaanpassung neben dem Klimaschutz“, sagt DWD-Klimavorstand Tobias Fuchs.

    Was das für die Energieerzeugung bedeuten könnte, lässt sich aus den Projektionen ableiten: Mehr Sonneneinstrahlung könnte die Solarerträge langfristig stützen. Veränderte Windmuster und häufigere Extremwetterereignisse dürften die Anforderungen an Prognosen und Netzplanung erhöhen.

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    Der Klimawandel zeigt sich nicht nur in Temperaturkurven, sondern zunehmend auch im Alltag vieler Menschen und in wirtschaftlichen Entscheidungen

    Andreas Becker, DWD-Klimaüberwachung

    DWD-Experte Becker unterstreicht: „Diese Beispiele verdeutlichen, dass sich der Klimawandel nicht nur in Temperaturkurven zeigt, sondern zunehmend auch im Alltag vieler Menschen und in wirtschaftlichen Entscheidungen.“

    Mit dem weiteren Ausbau erneuerbarer Energien wächst auch die Bedeutung meteorologischer Analysen für Planung, Betrieb und Bewertung der Energieversorgung. Der DWD will seine Referenz-Ensembles im Laufe des Jahres auf eine räumliche Auflösung von fünf Kilometern verfeinern – wichtig etwa für die Modellierung des Abflussverhaltens von Flüssen oder der Bodenfeuchte, aber auch für die regionale Standortbewertung von Wind- und Solarparks.

    Die Botschaft der diesjährigen Klimapressekonferenz ist klar: Das Wetter wird zur strategischen Größe der Energiewende. Und wer ein Stromsystem plant, das zu mehr als der Hälfte von Wind und Sonne abhängt, braucht bessere Daten denn je.

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