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Schwimmender Solarpark: Kein Land der Welt baut die erneuerbaren Energien schneller aus als China.
Von Jörn Petring, Peking
Der Krieg um Iran beschleunigt eine Spaltung, die längst im Entstehen war: Petrostaaten gegen Elektrostaaten. Die einen kontrollieren Öl und Gas. Die anderen versuchen, dieselbe Macht aus Strom zu gewinnen, aus erneuerbaren Energien, Netzen, Speichern, Batterien und den Industrien, die darauf aufbauen. China ist der ehrgeizigste Kandidat dieser zweiten Gruppe.
Bestärkt wird Peking bei diesem Umbau durch das, was sich gerade in der Straße von Hormus abspielt. Seit die Schifffahrt in der Meerenge massiv gestört ist, sind Lieferketten unterbrochen. Für China ist das heikel. Je nach Berechnung kommen bis zu 45 Prozent seiner Ölimporte über diese Route. Gleichzeitig bleibt Öl für die Volksrepublik vorerst unverzichtbar. China verbraucht rund 16 Millionen Barrel pro Tag und ist damit hinter den USA der zweitgrößte Ölverbraucher weltweit.
Der Fünfjahresplan gibt das Ziel vor: China soll zur „Energiegroßmacht“ werden
Vorräte und Diversifizierung federn den Schock ab. Doch seine Verwundbarkeit ist Peking seit Langem bewusst. Deshalb treibt die Führung den Aufbau eines neuen Energiesystems so entschlossen voran. Ausdrücklich ist das Ziel ausgegeben, eine „Energiegroßmacht“ zu werden. Auch im neuen Fünfjahresplan, der vor wenigen Tagen verabschiedet wurde, taucht diese Formel auf: „Die neue Strategie der Energiesicherheit soll konsequent umgesetzt werden. Der Aufbau eines sauberen, kohlenstoffarmen, sicheren und effizienten neuen Energiesystems soll beschleunigt und eine Energiegroßmacht aufgebaut werden“, heißt es im Plan.
Das Energiesystem in China werde „beispiellosen Veränderungen“ unterzogen, sagt die chinesische Energieexpertin Gao Yuhe von Greenpeace im Gespräch mit EnergieWinde. Im Kern gehe es dabei vor allem um Energiesicherheit – darum, die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten zu überwinden. Die aktuelle Krise im Nahen Osten habe „die Dringlichkeit deutlich verstärkt“, Chinas Energiesystem umzubauen, sagt Cheng Zhang, Leiter eines Energie-Forschungsinstituts in Peking, gegenüber EnergieWinde.