Nordlink-Stromtrasse

Tausche Wind gegen Wasser

Deutschland zapft Norwegen an: Über das 623 Kilometer lange Nordlink-Kabel fließt ab 2020 Strom aus Wasserkraft nach Süden. Umgekehrt können deutsche Windparks ihre Überschüsse in den Norden liefern.

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    Das Kabelschiff Nexans Skagerrak bei der Verlegung von Nordlink in Norwegen.

    Im Vollesfjord an der Südküste Norwegens beginnt das Spezialschiff „Nexans Skagerrak“ mit der Verlegung des Nordlink-Kabels.

    Von Volker Kühn

    Wäre das hier ein Kinofilm, würde die Kamera mit einer Nahaufnahme des Gartentischs beginnen und dann langsam aufzoomen. Zuerst sähe man nur die Tassen und Teller direkt von oben, dann kämen die kleine Gruppe von Urlaubern ringsherum ins Bild, die rot-weiße Holzhütte, der Mast mit der Norwegen-Fahne, die bemooste Felskante und schließlich das tiefblaue Wasser, das träge dagegenschwappt. Perfekte Ferienstimmung am Vollesfjord in Südnorwegen.

    Nur ein tiefes, gleichmäßiges Brummen stört die Szenerie. Dann zoomt die Kamera noch weiter auf, und die Ursache wird sichtbar: Ein gewaltiges Schiff liegt mit sonor dröhnenden Dieselmotoren auf dem Wasser, nur einen Steinwurf von den Urlaubern am Gartentisch entfernt.

    Es ist die „Nexans Skagerrak“, eines der größten Kabelverlegungsschiffe der Welt. Sie ist an diesem Augustmorgen im Vollesfjord, um die Energiewende in Europa einen entscheidenden Schritt voranzubringen: mit einem Seekabel, das ab 2020 die Strommärkte Deutschlands und Norwegens verbinden soll. Die ersten 124 Kilometer davon hat sie an Bord.

    In den kommenden Tagen wird die „Skagerrak“ ihre mehr als 6000 Tonnen schwere Fracht nach und nach von ihrer gewaltigen Kabeltrommel abspulen und auf ihrem Weg Richtung Süden ins Wasser hinabgleiten lassen. Ein zweites Schiff wird ihr folgen und das Kabel mithilfe eines Unterwasserschlittens bis zu zwei Meter tief in den Meeresboden eingraben.

    Ist die Leitung mit dem Namen Nordlink schließlich fertig, hat sie eine Gesamtlänge von 623 Kilometer und eine Kapazität von 1400 Megawatt. Das entspricht in etwa der Leistung des aktuell größten deutschen Atomkraftwerks Isar 2. Nordlink wird allerdings nicht für Atomenergie gebaut, sondern für Ökostrom: Das Kabel soll deutsche Windparks und norwegische Wasserkraftwerke miteinander verbinden und so die Versorgung mit sauberer Energie an beiden Enden der Leitung stabilisieren.

    Das Stromnetz wächst zusammen – Norwegen wird zum Akku Europas

    Um zu erklären, wie das funktioniert, greift Stein H. Auno zu seinem Smartphone. Der Manager des norwegischen Netzbetreibers Statnett wischt sich durch die Menüs, bis eine Nordeuropa-Karte erscheint. Blaue Pfeile darauf geben an, in welche Richtung der Strom durch die Netze der Region fließt. „Wir exportieren mal wieder kräftig“, freut sich Auno.

    Keine der fünf Preiszonen, in die Norwegen unterteilt ist, führt zu diesem Zeitpunkt Strom aus dem Ausland ein. Stattdessen fließt er über die Landesgrenzen nach Russland, Finnland und Schweden sowie durch zwei Seekabel nach Dänemark und Holland.

    Kabelschiff Nexans Skagerrak bei der Verlegung von Nordlink im Vollesfjord (Norwegen).

    Begegnung mit einem Giganten: Wenige Meter von einigen Ferienhütten am Ufer entfernt liegt die „Nexans Skagerrak“ im Vollesfjord. Vom Heck lässt sie das gelb ummantelte Nordlink-Kabel hinab ins Wasser. 30 Meter unter der Oberfläche wird es in einen schmalen Tunnel gezogen. Darin verläuft es über 400 Meter bis hinauf auf die Bergkuppe.

    Projekt Nordlink: Luftbild der Baustelle für eine Umspannstation oberhalb des norwegischen Vollesfjords.

    Die Vogelperspektive verdeutlicht die Dimensionen: Von der „Nexans Skagerrak“ unten verläuft das Kabel durch einen Tunnel bis hinauf auf den Berg. Hier baut der norwegische Netzbetreiber Statnet eine sogenannte Kabelübergangsanlage, in der das Seekabel später an eine Freileitung angeschlossen wird.

    Nordlink-Baustelle am Vollesfjord: Hier errichtet der Stromnetzbetreiber Statnet eine sogenannte Kabelübergangsanlage.

    Noch laufen die Bauarbeiten an der Anlage. Ihre nackten Betonmauern verbergen sich bereits hinter einer Holzverkleidung. Sie ist bei derartigen Gebäuden an landschaftlich besonderen Orten in Norwegen vorgeschrieben, um das Bild der Umgebung so wenig wie möglich zu stören.

    Nordlink-Projekt: Ein Kamerateam filmt die Verlegung des Seekabels in Norwegen.

    Die Arbeiten an der Nordlink-Trasse werden von Journalisten aus beiden Ländern begleitet. Hier macht ein Fernsehteam aus Deutschland Aufnahmen von den Bauarbeiten am Vollesfjord. Im Hintergrund ist die „Nexans Skagerrak“ zu erkennen.

    Nordlink-Stromtrasse: Techniker überwachen die Verlegung des Kabels am Vollesfjord.

    Die erste Hürde ist geschafft: Das Kabel ist oben auf dem Berg aus dem Tunnel gekommen. Jetzt muss es nur noch über eine Strecke von vielleicht 100 Metern bis zur Kabelübergangsanlage gezogen und später an die Fernleitung angeschlossen werden.

    Nordlink-Projekt: Die von ABB gebaute Konverterstation in Tonstad wandelt Gleich- in Wechselstrom um - und umgekehrt.

    Die Freileitung endet 50 Kilometer nördlich in Tonstad in einer Konverterstation, die von ABB gebaut wird. Sie wandelt je nach Fließrichtung entweder Gleichstrom aus der Nordlink-Leitung in Wechselstrom um, der in Norwegen verbraucht wird – oder sie macht umgekehrt aus norwegischem Wechselstrom Gleichstrom, der nach Deutschland fließt.

    Gigang der Meere: Die „Nexans Skagerrak“ ist eines der größten Kabelverlegungsschiffe der Welt.

    Die „Nexans Skagerrak“ ist eines der größten Kabelverlegungsschiffe der Welt. Sie hat die ersten 124 Kilometer des Nordlink-Kabels an Bord. Das Gewicht der Leitung: mehr als 600 Tonnen.

    Mit Nordlink, verlegt von einem Konsortium aus Statnett, dem niederländischen Netzbetreiber Tennet und der KfW-Bank, kommt nun eine weitere Trasse hinzu. Parallel läuft der Bau einer Leitung ins britische Blyth. Damit wächst die ohnehin große Bedeutung Norwegens für Europas Stromversorgung. Das Land im hohen Norden mit seinen 5,2 Millionen Einwohnern wird mehr und mehr zur Batterie des Kontinents.

    Der Grund sind seine gewaltigen Wasserkraftwerke. Nirgendwo in Europa sind die Bedingungen für Wasserkraft günstiger als im regenreichen Norwegen mit seinen steilen Fjordwänden und den Seen in den fast menschenleeren Hochebenen darüber. Sind die Speicher komplett gefüllt, könnten sie theoretisch 82 Terawattstunden Strom liefern – fast ein Fünftel des gesamten deutschen Jahresverbrauchs. 2016 hat Norwegen seine Trassen ins Ausland zu 80 Prozent für Exporte genutzt, nur zu 20 Prozent für Importe.

    Anführungszeichen

    Wir haben viel mehr Energie, als wir brauchen. Und Deutschland braucht nach dem Atomausstieg neue Quellen. Von dem Kabel profitieren also beide Seiten

    Statnett-Manager Stein H. Auno

    „Wir haben viel mehr Energie, als wir brauchen“, sagt Statnett-Manager Auno, der Nordlink als Projektleiter auf norwegischer Seite verantwortet. „Und Deutschland braucht nach dem Atomausstieg neue Quellen. Von dem Kabel profitieren also beide Seiten.“

    Projekt Nordlink: Das Spezialschiff Nexans Skagerrak verlegt das Seekabel im Vollesjford (Norwegen).

    So entspannt wie die Norweger in ihren kleinen Ferienhäuschen am Vollesfjord reagieren Anwohner in Deutschland selten auf Infrastrukturprojekte der Größenordnung von Nordlink. Tennet-Vorstand Lex Hartman bezeichnete die Leitung im Interview mit EnergieWinde deshalb sogar schon als sein „Lieblingskabel“.

    Auch in der Offshore-Windkraft werden solche Koverterstationen eingesetzt – gewaltige Kisten im Hochhausformat, die auf Fundamenten in der Nordsee stehen.

    Nordlink hat aber noch eine weitere Besonderheit: Das Kabel funktioniert in beide Richtungen. In weniger als einer Stunde kann es von Import- auf Exportbetrieb geschaltet werden.

    Am späten Vormittag strahlt Ragnhild Katteland über das ganze Gesicht. Die Managerin des französischen Kabelherstellers Nexans ist verantwortlich für die Anlandung des Kabels – und das ist soeben unversehrt aus dem Tunnelausgang oben am Fjord gekommen. „Der schwierigste Teil ist geschafft“, freut sie sich und beobachtet, wie eine Winde das Kabel nun über die nächsten Meter bis zur Übergangsanlage zieht.

    Zwischen Wilster und Büsum verläuft Nordlink als Erdkabel

    Nexans, nach eigenen Angaben einer der drei größten Kabelproduzenten weltweit, wird Nordlink vom Vollesfjord bis an die Grenze der deutsch-dänischen Hoheitsgewässer ziehen. Die Verlegung auf deutscher Seite ist für Sommer nächsten Jahres geplant. Dafür ist das dänische Unternehmen NKT zuständig, das Anfang des Jahres die Kabelsparte von ABB samt dem Nordlink-Projekt für knapp 840 Millionen Euro übernommen hat.

    An Land laufen die Bauarbeiten in Schleswig-Holstein bereits, im September war der offizielle Spatenstich in Wilster. Von dort verlaufen die ersten 54 Kilometer bis Büsum als Erdkabel, wobei unter anderem der Nord-Ostsee-Kanal unterquert werden muss. Anschließend geht es als Seekabel durchs Wattenmeer gen Norden.

    „Wir kommen gut voran“, sagt der zuständige Tennet-Projektleiter Gunnar Spengel. Er sieht in Nordlink die Antwort auf eine der drängendsten Fragen der Energiewende: die schwankende Erzeugung von Wind- und Solarkraft. „Wenn es über der Nordsee stürmt und wir einen Stromüberschuss in Deutschland haben, sodass die Preise fallen, kann sich Norwegen mit günstigem Windstrom versorgen und seine Wasserreservoirs schonen“, sagt er. „Und umgekehrt stabilisiert die norwegische Wasserkraft die Versorgung in Deutschland, wenn hier Flaute herrscht.“

    Auch Schleswig-Holsteins grüner Umweltminister Robert Habeck spricht von einer Win-win-Situation: „Mit Nordlink verbinden wir zwei sich optimal ergänzende Systeme zum Austausch von erneuerbaren Energien“, erklärte er beim Spatenstich in Wilster.

    Durch die Kopplung von Wind- und Wasserkraft sollen saubere Quellen zunehmend konventionelle Kraftwerke bei der Bereitstellung der sogenannten Grundlast ersetzen – also zuverlässig die Menge an Energie liefern, die dauerhaft im Netz benötigt wird. Dass Nordlink dazu beitragen kann, zeigt die Kapazität des Kabels: Bei voller Auslastung mit 1400 Megawatt kann es gut 2,5 Millionen Haushalte in Deutschland versorgen. Fließt der Strom in umgekehrter Richtung, reicht er für 600.000 norwegische Haushalte – im Norden ist der Verbrauch höher, weil hier auch die Heizungen elektrisch laufen.

    Der Strom fließt immer dorthin, wo er teurer ist. So profitieren beide Länder

    Länderübergreifende Kabel wie Nordlink dienen aber nicht nur der Versorgungssicherheit. Sie sollen auch die extremen Schwankungen an den Strombörsen dämpfen. Manchmal fallen die Preise dort sogar ins Negative, wenn besonders viel Ökostrom die Netze flutet. Die Kraftwerksbetreiber zahlen dann drauf, um ihre Energie loszuwerden. Der Anschluss an zusätzliche Märkte könnte die Situation entspannen.

    Statnett-Projektleiter Auno beobachtet die Arbeiten am Vollesfjord mit einem Kaffeebecher in der einen und dem Handy in der anderen Hand. Er hat wieder die Nordeuropa-Karte aufgerufen. Erneut zeigen fast alle blauen Pfeile von Norwegen in die Nachbarländer. Auch Nordlink wird voraussichtlich die meiste Zeit von Nord nach Süd laufen.

    Fotostrecke: Wasserkraft in Norwegen

    Blau, so weit das Auge reicht: Der Blåsjø-Stausee ist einer von insgesamt 16, die zum Ulla-Førre-Kraftwerk gehören. Ihr Wasser könnte Deutschland fünf Tage lang mit Strom versorgen – oder deutschen Ökostrom speichern.

    Blau, so weit das Auge reicht: Der Blåsjø-Stausee ist einer von insgesamt 16, die zum Ulla-Førre-Kraftwerk gehören. Ihr Wasser könnte Deutschland fünf Tage lang mit Strom versorgen – oder deutschen Ökostrom speichern.

    Viel Niederschlag, steile Gefälle: Die Bedingungen in Norwegen sind ideal für die mehr als 300 Kraftwerke. Auch das Wasser des Vøringsfossen – fließt in ein Kraftwerk. Seine Höhe von 183 Metern erahnt man, wenn man das winzige Hotel oben an der Felskante

    Viel Niederschlag, steile Gefälle: Die Bedingungen in Norwegen sind ideal für die mehr als 300 Kraftwerke. Auch das Wasser des Vøringsfossen – fließt in ein Kraftwerk. Seine Höhe von 183 Metern erahnt man, wenn man das winzige Hotel oben an der Felskante sieht.

    Gewaltige Staumauern wie die des Sysen-Damms auf diesem Bild halten das Wasser in den Stauseen zurück. Das Baumaterial stammt oft auf Straßentunneln, die vor allem im fjordreichen Westnorwegen zu Hunderten in den Fels gesprengt wurden.

    Gewaltige Staumauern wie die des Sysen-Damms auf diesem Bild halten das Wasser in den Stauseen zurück. Das Baumaterial stammt oft auf Straßentunneln, die vor allem im fjordreichen Westnorwegen zu Hunderten in den Fels gesprengt wurden.

    Auch der Oddatjønn-Damm besteht aus solchen Felsen. Er begrenzt den Blåsjø, den zehntgrößten See des Landes. Im menschenleeren norwegischen Hochland gibt es viel Platz für Stauseen. Im dichtbesiedelten Mitteleuropa könnten derart große Projekte nicht real

    Auch der Oddatjønn-Damm besteht aus solchen Felsen. Er begrenzt den Blåsjø, den zehntgrößten See des Landes. Im menschenleeren Hochland gibt es viel Platz für Stauseen. Im dichtbesiedelten Mitteleuropa wären so große Projekte nicht möglich.

    Der Oddatjønn-Damm liegt gut 1000 Meter über dem Meeresspiegel. Das Wasser schießt von hier durch bis zu zehn Meter breite unterirdische Tunnel in die Wasserkraftwerke von Ulla-Førre. Es kann von dort aber auch zurück in den See gepumpt werden.

    Der Oddatjønn-Damm liegt gut 1000 Meter über dem Meeresspiegel. Das Wasser schießt von hier durch bis zu zehn Meter breite Tunnel in die Wasserkraftwerke von Ulla-Førre. Es kann von dort aber auch zurück in den See gepumpt werden.

    Tief im Inneren des Bergs liegt die gewaltige Kammer des Kraftwerks Kvilldal, 100 Meter lang, 20 Meter hoch. Die zylindrischen Aufbauten gehören zu den Turbinen. Gemeinsam mit den orange verkleideten Wänden und den gezackten Lichtröhren verleihen sie dem

    Tief im Inneren des Bergs liegt die gewaltige Kammer des Kraftwerks Kvilldal. Die zylindrischen Aufbauten gehören zu den Turbinen. Mit den orange verkleideten Wänden und den gezackten Lichtröhren verleihen sie dem Saal einen futuristischen Eindruck.

    Rund 100 Kilometer nördlich von Kvilldal liegt an den Ausläufern des Hardangerfjords das Wasserkraftwerk Sima. Es ist das zweitgrößte des Landes nach Kvilldal und gehört ebenfalls dem Energieversorger Statkraft. Hier ist einer der Generatoren  zu sehen.

    100 Kilometer nördlich von Kvilldal liegt an den Ausläufern des Hardangerfjords das Wasserkraftwerk Sima. Es ist das zweitgrößte nach Kvilldal und gehört ebenfalls dem staatlichen Energieversorger Statkraft. Hier ist einer der Generatoren zu sehen.

    Reise in die Vergangenheit: Mit dem Kraftwerk Tyssedal am Sørfjord begann in Norwegen das Zeitalter der Wasserkraft. Der neoklassische Bau von 1914 steht für den Anspruch, repräsentative Architektur und Industrie zu verbinden. Heute ist er ein Museum.

    Mit dem Kraftwerk Tyssedal am Sørfjord begann in Norwegen das Zeitalter der Wasserkraft. Der neoklassische Bau von 1914 steht für den Anspruch, repräsentative Architektur und Industrie zu verbinden. Heute beherbergt er ein Museum.

    Die Schaltzentrale: Von hier aus wurde das Wasserkraftwerk Tyssedal gesteuert. Unzählige Knöpfe, Hebel und Uhren sind in die marmorverkleideten Wände eingelassen.

    Reise in die Vergangenheit: Von dieser Schaltzentrale aus wurde das Wasserkraftwerk Tyssedal gesteuert. Unzählige Knöpfe, Hebel und Uhren sind in die marmorverkleideten Wände eingelassen.

    Die Generatoren von Tyssedal waren von 1906 bis 1989 in Betrieb. Sie lieferten Strom für Cyanamid- Karbidfabriken im benachbarten Städtchen Odda und trugen entscheidend zum Aufschwung der Region bei.

    Die Generatoren von Tyssedal waren von 1906 bis 1989 in Betrieb. Sie lieferten Strom für Cyanamid- Karbidfabriken im benachbarten Städtchen Odda und trugen entscheidend zum Aufschwung der Region bei.

    Auch in anderen Landesteilen entstanden Wasserkraftwerke. Dieses Foto von 1918 zeigt den Bau der Rohre für das Kraftwerk Glomfjord, 45 Kilometer nördlich des Polarkreises.

    Auch in anderen Landesteilen entstanden Wasserkraftwerke. Dieses Foto von 1918 zeigt den Bau des Kraftwerks Glomfjord am Polarkreis. Jahrzehnte bevor Norwegen seine Öl- und Gasvorräte entdeckte, war die Wasserkraft das Rückgrat seiner Industrie.

    Synnøve Kvamme: Die Umweltschützer aus Bergen protestiert gegen den weiteren Ausbau der Wasserkraft in Norwegen: Es dürften nicht auch die letzten ungezähmten Flüsse Norwegens reguliert werden.

    Heute deckt das Land seinen Strombedarf fast vollständig aus Wasserkraft. Gegen den weiteren Ausbau regt sich allerdings Protest. Umweltschützer wie Synnøve Kvamme aus Bergen sorgen sich, dass die letzten Flecken unberührter Natur verschwinden.

    Strommast am Hardangerfjord: Umweltschützer protestieren gegen den Ausbau des Stromnetzs in der Region.

    Denn um den Strom zum Verbraucher zu transportieren, sind Hochspannungsleitungen notwendig. Statt die Trassen durch die Wildnis zu führen – wie hier am Hardangerfjord – kämpfen Umweltschützer dafür, Unterseekabel durch den Fjord zu verlegen.

    Nahe dem Wasserkraftwerk Kvilldal entsteht derzeit eine neue Umspannstation. In mehreren Regionen des Landes muss das Netz ausgebaut werden, um Norwegen über geplante Unterseekabel mit Deutschland und Großbritannien zu verbinden.

    Nahe dem Wasserkraftwerk Kvilldal entsteht derzeit eine neue Umspannstation. In mehreren Regionen des Landes muss das Netz ausgebaut werden, um Norwegen über geplante Unterseekabel mit Deutschland und Großbritannien zu verbinden.

    Storglomvass-Damm im Schnee: Norwegens Stauseen und Deutschlands Offshore-Windparks werden per Kabel verbunden.

    Norwegische Wasserkraft kann Ökostrom-Schwankungen in Zentraleuropa ausgleichen. Umgekehrt können Stromüberschüsse von dort genutzt werden, um die Wasservorräte in Norwegens Stauseen zu schonen. Im Foto: der verschneite Storglomvass-Damm.

    Das muss allerdings nicht immer so bleiben. Schreitet der Ausbau der Erneuerbaren weiter so voran wie in den vergangenen Jahren, könnte Strom aus Deutschland immer öfter günstiger als der aus Norwegen werden. Dafür spricht auch der Preisverfall beim Bau von Offshore-Windrädern: Im Frühjahr erklärten die Energiekonzerne EnBW und Ørsted, beim Bau von drei neuen Windparks in der Nordsee komplett auf Subventionen über die EEG-Umlage verzichten zu wollen.

    Ob der Strom nun von Nord nach Süd oder umgekehrt fließt, kann den Nordlink-Partnern allerdings egal sein. Sie profitieren in jedem Fall. Auf norwegischer Seite landet der Handelsgewinn aus der Preisdifferenz an beiden Enden des Kabels im Staatshaushalt. Auf deutscher Seite unterliegt er der Regulierung durch die Bundesnetzagentur und wird auf die Netzentgelte umgelegt. Und das wiederum wirkt sich positiv auf die Strompreise aus.

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