Der Plan steht, die Strukturen sind da. Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit: die Bürger auf den Weg mitnehmen. Bislang lief die Kommunikation zur Wärmeplanung über Pressemitteilungen, Social Media, Zwischenberichte im Rat. „Das Interesse hätte größer sein können“, räumt Reents ein. Deshalb jetzt die Messe im Rathaus – Technik erleben statt Vorträge hören. „Die Hauseigentümer informieren und motivieren, darauf kommt es jetzt an“, sagt Reents. „Und dabei ist die Messe einer der stärksten Hebel, die wir haben.“
Kommunikation sei nicht zuletzt so wichtig, weil es beim Klimakurs aus Berlin hin und her geht. „Ständig wechselnde Rahmenbedingungen verunsichern die Menschen“, sagt Reents. Doch Jammern und Abwarten seien keine Optionen. Reents gibt sich pragmatisch. „Was wir als Gemeinde nicht ändern können, das nehmen wir hin.“ Aber er sagt auch: „Wir legen hier nicht die Hände in den Schoß. Wir gehen vorwärts!“
Gasheizungen bleiben erlaubt – zum Missfallen von Verbraucherschützern
Umwelt- und Verbraucherschützer warnen: Der von Schwarz-Rot angekündigte Umbau des Gebäudeenergiegesetzes degradiere die kommunale Wärmeplanung zu einer Belanglosigkeit, so der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND). Weiter unreguliert Öl- und Gasheizungen einbauen – auch dort, wo der Wärmeplan längst ein Wärmenetz vorsehe – untergrabe die gesamte Planungslogik.
Das Klima-Bündnis Deutschland sieht den Ausbau der Fern- und Nahwärmenetze bedroht: Fällt die 65-Prozent-Erneuerbare-Pflicht weg, stellen weniger Hauseigentümer auf fossilfrei um – die Anschlussquote sinkt, die Wirtschaftlichkeit der Projekte kippt. Geplante Investitionen von Kommunen und Stadtwerken, Unternehmen und Handwerk seien in Gefahr. Ein weiterer Kritikpunkt: Der Kurswechsel der Regierung zerstöre das Vertrauen in die lokalen Klimaschutzstrategien und schwäche die Glaubwürdigkeit der Kommunen.
Auch aus der Energiebranche und von den Kommunen kommt Kritik am neuen Kurs: „Kommunale Wärmeplanung bietet Orientierung für Investitionsentscheidungen. Ein verlässlicher Förderrahmen ist entscheidend für Akzeptanz, Umsetzung und wirtschaftliche Tragfähigkeit der Wärmewende“, heißt es in einem gemeinsamen Appell von 14 Verbänden, darunter der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), der Deutsche Städtetag und der Deutsche Landkreistag.
Die Gemeinde sieht Chancen im Wandel – vor allem für das lokale Handwerk
Im Wardenburger Rathaus geben sie sich trotz allem zuversichtlich. In vielen Siedlungen steht ein Generationenwechsel an, Kinder übernehmen Elternhäuser, Familien ziehen aus Oldenburg zu. „Da kommt Investitionskraft“, sagt Bürgermeister Reents. Und Grund Nummer zwei für seinen Optimismus: Der Wandel zur Klimaneutralität bedeutet auch Chancen – vor allem für das lokale Handwerk.
„Wir haben hier tolle Mittelstandsbetriebe“, sagt Reents, „für die ist die Wärmeplanung ein Zukunftsprojekt.“ Einen neuen Fokus für die Branche, sehe er, einen Schwenk vom Neubau zur Sanierung. „Allein die gut 50 Prozent Altbauten in Wardenburg energiesparend ausrüsten und fit machen für klimaneutrales Heizen – das sind Aufträge für viele Jahre.“