Stadt.Energie.Speicher GmbH/Dr. Andreas Mueller
Ehemaliges Kellogg's-Areal in Bremen: Hier werden 600 Wohnungen, Büros, eine Schule, eine Kita und Gewerbeflächen klimafreundlich mit Weser-Wärme heizen.
Von Daniela Schröder
Kräne ragen in den Himmel, Bagger heben Gruben aus, eine Werfthalle wird zu einem Ausbildungszentrum für Klimaberufe: Die Bremer Überseeinsel, ein ehemaliges Industrieareal an der Weser, ist seit Jahren die XL-Baustelle der Stadt und eines der größten Städtebauprojekte in Europa. Wer hier künftig wohnt oder arbeitet, der hat den Fluss vor der Haustür – und damit eine Garantie auf warme Winter und kühle Sommer. Denn das neue Quartier baut auf Aquathermie: Wärme- und Kälteenergie aus Flüssen, Meeren, Seen und Abwässern. Das Potenzial in Deutschland ist groß – wird bisher aber kaum genutzt.
Am Ufer der Weser bewegen vier Pumpen bis zu 1000 Kubikmeter Flusswasser pro Stunde. In einer Heizzentrale entziehen Wärmetauscher dem Wasser drei Grad, abgekühlt fließt es in die Weser zurück. Großwärmepumpen verdichten die gewonnene Wärme auf 70 Grad. Sie erhitzt 600 Kubikmeter Wasser, das in drei hohen Stahltürmen gespeichert wird. Sie puffern den Bedarf von bis zu 72 Stunden. Das Prinzip Thermoskanne: Wärme wird erst verteilt, wenn sie gebraucht wird.
Die Vision: 100.000 Bremer Wohnung heizen mit Aquathermie
Knapp 120.000 Quadratmeter auf dem ehemaligen Kellogg's-Areal lassen sich mit der Weser beheizen: 600 Wohnungen, Büros, eine Schule, eine Kita, Gewerbeflächen. Für die Stadt.Energie.Speicher GmbH, das Unternehmen hinter dem Projekt, ist das alles nur der erste Schritt. Inhaber und Geschäftsführer Klaus Meier, auch der Gründer des Windkraftprojektierers wpd, will die Weserwärme im großen Stil nutzen. Seine Vision: Fluss-Wärmepumpen mit 500 Megawatt, genug für etwa 100.000 Wohnungen in der 590.000-Einwohner-Stadt.