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LNG-Terminal in Wilhelmshaven: Statt in Russland kauft Deutschland inzwischen einen erheblichen Anteil seines Erdgases in den USA.
Von Julia Graven
Europa muss unabhängiger werden von Energieimporten aus Krisenregionen wie dem Nahen Osten. Das zeigen die Auswirkungen des Kriegs im Iran auf die wirtschaftliche Entwicklung bei uns deutlich. Doch ausgerechnet in der Frage, wie abhängig wir heute tatsächlich sind, klafft in ganz Europa eine Wahrnehmungslücke. In Deutschland sind die Fehleinschätzungen besonders eklatant.
Ulrik Stridbæk, Leiter der Abteilung Regulierung und öffentliche Angelegenheiten von Ørsted, stellte gestern im Rahmen einer Online-Pressekonferenz eine repräsentative Studie mit mehr als 6000 Teilnehmern aus Dänemark, Großbritannien, Deutschland, Belgien, den Niederlanden und Polen vor. Er sagte: „Wir befinden uns an einem absolut entscheidenden Moment. Das unterstreicht die fossile Energiekrise, die der Krieg im Nahen Osten ausgelöst hat.“ Doch obwohl Energie wieder ganz oben auf der politischen Agenda steht, zeigt die neue Studie: Das Wissen der Öffentlichkeit hält mit der Realität nicht Schritt. (Transparenzhinweis: EnergieWinde wird von Ørsted finanziert.)
Keines der untersuchten Länder ist autark – auch wenn viele daran glauben
Europa bezieht 58 Prozent seiner Energie aus fossilen Kohle-, Öl- und Gasimporten, oft aus politisch instabilen Regionen. Kein einziges der sechs untersuchten Länder ist energieautark. In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist die Abhängigkeit von Importen sogar leicht gestiegen. Trotzdem glauben zwischen 31 und 44 Prozent der Befragten, ihr Land produziere genug Energie, um den eigenen Bedarf zu decken.
In Deutschland ist die Verzerrung besonders auffällig: Mehr als vier von fünf Deutschen unterschätzen, wie viel Energie ihr Land tatsächlich importiert – eine Wahrnehmungslücke, die in dieser Deutlichkeit europaweit heraussticht. Das hat Auswirkungen. Wer glaubt, sein Land sei bereits unabhängig, sieht keinen Handlungsbedarf. Keine Notwendigkeit, in Windkraft, Solarenergie, Netze und Speicher zu investieren. Die Fehlwahrnehmung untergräbt damit das politische Momentum.
Die Deutschen befürworten die Energiewende – aber unterschätzen die Dringlichkeit
Dass gleichzeitig drei Viertel der deutschen Bevölkerung den Ausbau erneuerbarer Energien als richtige Antwort auf die Energiepreiskrise begrüßen – wie eine aktuelle repräsentative Umfrage von YouGov im Auftrag der European Climate Foundation und des Deutschen Caritasverbandes zeigt –, macht deutlich: Die Einsicht ist da, die Dringlichkeit wird aber unterschätzt.
Falsche Vorstellungen gibt es auch bei den Kosten eines erneuerbaren Energiesystems. Das ist das zweite zentrale Ergebnis der Studie. 47 Prozent der Befragten in Deutschland halten Offshore-Wind für teurer als er tatsächlich ist. Dabei seien die Stromgestehungskosten von Offshore-Windenergie im europäischen Durchschnitt 2025 deutlich niedriger als die von Gas- und Atomkraftwerken. Günstiger seien nur Solaranlagen und Windräder an Land.