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Kühe stoßen um die 100 Kilogramm Methan pro Jahr aus – ein Gas, das die Atmosphäre um ein Vielfaches stärker aufheizt als CO2.
Von Leoni Bender
Im Januar 2024 rollen Hunderte Traktoren nach Berlin. Konvois blockieren Zufahrtsstraßen und kreisen hupend um Regierungsgebäude. Auf Anhängern wehen Transparente, die eine Rücknahme der Subventionskürzungen fordern und vor einem Ende der Landwirtschaft warnen – die Hauptstadt steht zeitweise still.
Ähnliche Bilder sind aus anderen europäischen Ländern bekannt: In den Niederlanden etwa protestieren Bauern 2022 mit Straßensperren aus Mist und brennenden Heuballen gegen Umweltauflagen. Erst Anfang dieses Jahres blockieren französische Landwirte mit Traktoren die Straßen nach Paris, um sich gegen ein EU-Handelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten zu stellen.
Die Botschaft dieser Proteste ist klar: Wer sich mit der Landwirtschaft anlegt, muss mit heftigem Widerstand rechnen.
Doch gibt es ein Land, in dem es anders läuft. In Dänemark bleibt es im Herbst 2024 ruhig auf den Straßen. Dabei verkündet Klimaminister Lars Aagaard damals Historisches: Dänemark werde das erste Land der Welt sein, das ab 2030 eine CO2-Abgabe in der Landwirtschaft einführe. Damit macht die Regierung ihre vorherige Ankündigung wahr, Tierhalter für den Methanausstoß ihrer Kühe, Schweine und Schafe zu besteuern.
Die Regierung bittet die Bauern zur Kasse – und investiert zugleich Milliarden
Die Grundlage für die Abgabe ist der sogenannte „Green Tripartite Deal“, ein Kompromiss zwischen Regierung, Parteien sowie Vertretern von Landwirtschaft, Industrie und Umweltorganisationen.
Die Logik hinter der CO2-Steuer ist simpel: Die Emissionen werden den einzelnen Tieren zugerechnet. Laut der Vereinbarung sollen die Methanemissionen von Kühen, Schweinen und Schafen ab 2030 mit umgerechnet rund 40 Euro pro Tonne CO2-Äquivalent besteuert werden, bis 2035 steigt der Satz auf etwa 100 Euro.
Methan ist um ein Vielfaches klimaschädlicher als Kohlendioxid und das zweithäufigste in der Atmosphäre: Laut einer internationalen Studie unter der Führung des schottischen Rowett Instituts stößt eine einzelne Kuh pro Jahr 70 bis 120 Kilogramm Methan aus.
Begleitet wird die Abgabe von einem umfassenden Investitionsprogramm: Rund 5,76 Milliarden Euro stellt Dänemark über seinen Grünen Landfonds bereit. Finanziert werden sollen damit etwa Aufforstung, Moorrenaturierung sowie der klimafreundliche Umbau der Landwirtschaft. Die Vereinbarung legt auch neue Regeln für den Stickstoffausstoß fest, um die dänischen Küsten zu schützen. Die Regierung erwartet, dass der Agrarsektor so seine Emissionen bis 2035 um bis zu 2,6 Millionen Tonnen senkt.
Die Dänen stehen parteiübergreifend zum Klimaziel. Umkämpft ist nur der Weg
Die Entscheidung wirkt paradox in einem Land, das so stark von der Agrarindustrie geprägt ist wie Dänemark: Fast zwei Drittel der Landesfläche werden landwirtschaftlich genutzt, Fleisch- und Milchprodukte gehören zu den wichtigsten Exportgütern. Weltweit zählt Dänemark zu den größten Schweinefleischexporteuren – obwohl das Land kleiner ist als Niedersachsen.