Erneuerbare in den USA

  • Search28.05.2026

Grüne Energie boomt ausgerechnet in Trump-Hochburgen

Trotz Trumps Anti-Klimaschutzpolitik wachsen Solar, Wind, Speicher und Geothermie in republikanischen Bundesstaaten rasant – weil sie schlicht die günstigere Energiequelle sind. Bei Offshore-Wind sieht es anders aus.

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    Solaranlagen in Texas: Erneuerbare Energien boomen in vielen republikanisch dominierten Bundesstaaten.

    Solarpark an einem texanischen Highway: Der republikanisch dominierte Staat hat Kalifornien beim PV-Ausbau abgehängt.

     

    Von Jasmin Lörchner

    Im Spätsommer 2025 verzeichnet Texas einen bemerkenswerten Rekord: Über sieben Stunden hinweg deckt Solarstrom mehr als 40 Prozent des Bedarfs. Es ist einer von zahlreichen Höchstwerten, den der Bundesstaat in jenen Wochen verzeichnet. Den ganzen Sommer über fließt mehr Strom aus PV-Anlagen als aus Kohlekraftwerken ins texanische Netz.

    Texas, das wie kein anderer Staat für Öl und Gas steht und mit klarer Mehrheit für Donald Trump gestimmt hat, steigt 2025 zum größten Solarstrom-Produzenten auf, noch vor Kalifornien.

    Die Entwicklung ist ein scharfer Kontrast zu den Positionen von Donald Trump: Der US-Präsident nannte den Klimawandel einen großen Betrug und hat die Wind- und Solarenergie zur Zielscheibe gemacht. Nach seinem Amtsantritt stoppte er Genehmigungen für Offshore-Windparks und strich Subventionen aus dem Inflation Reduction Act der Biden-Ära zusammen. Sein Innenministerium verzögert die Prüfung neuer Wind- und Solarprojekte. Mehr als 100 Solarunternehmen sahen sich deshalb bereits Ende 2025 genötigt, den Kongress in einem offenen Brief aufzufordern, dieses „nahezu vollständige Genehmigungsmoratorium“ zu beenden.

    Texas und Florida, Indiana und Ohio: Trump-Staaten im Grünstrom-Rausch

    Und dennoch läuft der Ausbau der erneuerbaren Energien weiter. Am stärksten in den republikanisch regierten Bundesstaaten.

    Laut dem Branchenverband Solar Energy Industries Association entfielen 73 Prozent der 2025 neu installierten Solarleistung in den USA auf Staaten, die Trump gewählt haben, darunter Texas, Florida, Indiana, Ohio und Arkansas. Eine Befragung der Meinungsforscher Fabrizio, Lee & Associates, die 2016 und 2024 für Trumps Wahlkampagne arbeiteten, zeigt außerdem, dass 68 Prozent der republikanischen Wähler den Ausbau von Solarenergie befürworten.

    Anfang 2025 sprachen sich sogar 21 republikanische Abgeordnete im Kongress dafür aus, die Steuervergünstigungen für Solarenergie nicht anzutasten, um Engpässe und höhere Stromrechnungen für die Verbraucher zu vermeiden.

    Strommix in den USA: Während die Erneuerbare stark wachsen, stagnieren die Anteile konventioneller Energieträger oder fallen sogar. Infografik: Benedikt Grotjahn

    Das überzeugendste Argument ist der Preis. Die US-Investmentbank Lazard gibt seit 2007 jährlich den „Levelized Cost of Energy“-Bericht heraus. Die jüngste Ausgabe vom Sommer 2025 wies Solar- und Onshore-Windkraft bereits zum zehnten Mal in Folge als günstigste Form der Stromerzeugung aus.

    Keine Stromquelle ist günstiger als PV und Wind – und keine schneller installiert

    Beide sind laut Lazard nicht nur die günstigste, sondern trotz Gegenwind der Trump-Regierung auch die am schnellsten realisierbare Form der Energieerzeugung. Der Strombedarf im Land wächst so schnell wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Mit dem KI-Boom entstehen zahlreiche stromhungrige neue Datenzentren.

    John Ketchum, Vorstandschef des US-Energieunternehmens NextEra, sagte noch kurz nach Trumps Amtseinführung, Erneuerbare und neuen Gaskraftwerke seien die Zukunft, um die steigende Nachfrage zu befriedigen. Doch Gaskraftwerke könnten den Bedarf frühestens ab 2030 decken. Die Lösung seien schneller zu bauende Anlagen für Erneuerbare. „Man kann ein Windkraftprojekt in 12 Monaten realisieren, eine Speicheranlage in 15 und ein Solarprojekt in 18 Monaten“, so Ketchum. Bei einem Strombedarf, der wegen des KI-Booms so schnell ansteigt wie seit Jahrzehnten nicht mehr, ist Bauzeit ein überzeugendes Argument.

    Auch Gaskraftwerke werden neu gebaut – aber in viel kleinerem Umfang

    In Texas entstanden in den ersten neun Monaten 2025 Solaranlagen mit 7,4 Gigawatt Leistung – beinahe doppelt so viele wie in Kalifornien. Laut dem World Resources Institute planen Entwickler für das laufende und das kommende Jahr den Bau von 84 Gigawatt Solar, 45 Gigawatt Speichern und 20 Gigawatt Wind. Lediglich 15 Gigawatt sollen von neuen Gaskraftwerken generiert werden.  

    Besonders dynamisch wächst der Batteriemarkt. Texas startete mit rund 14 Gigawatt installierter Speicherleistung ins Jahr, allein 6 Gigawatt davon entstanden im vergangenen Jahr. Den ganzen Sommer 2025 über speicherten die Batterien den tagsüber von Solaranlagen produzierten Strom und speisten ihn abends ein, wenn die Solarproduktion zurückging.

    Großbatterien wie hier in Texas verdrängen in den USA zunehmend Gaskraftwerke aus dem Markt. Die Erneuerbaren boomen ausgerechnet in Trump-Staaten.

    Großbatteriespeicher wie hier in Texas verdrängen Gaskraftwerke aus dem Markt.

    Damit machen Batteriespeicher zunehmend Gaskraftwerken Konkurrenz, die sonst einspringen müssten. Pablo Vegas, Chef des Netzbetreibers ERCOT, spricht von einem „sehr schnellen Wachstum“.

    Das lockt auch deutsche Konzerne an. RWE hat schon 2024 zwei große Solar-Speicher-Hybride in Texas in Betrieb genommen. Der Allgäuer Energiespeicher-Pionier Sonnen will bis Ende des Jahres 10.000 zusätzliche Kunden in texanischen Privathaushalten gewinnen, die dem Netz weitere 600 Megawatt Batteriekapazität zur Verfügung stellen würden.

    Klima? Darum geht es in den „Red States“ nicht. Was zählt, sind Kosten

    Nicht nur das Kostenargument treibt den Boom in den sogenannten Red States der Republikaner, sondern auch schlanke Genehmigungsverfahren und ein deregulierter Strommarkt wie in Texas, der Investitionen anlockt. Im republikanisch geführten Florida sorgte der „Power Plant Siting Act“, der den Anschluss von Solaranlagen unter 75 Megawatt vereinfacht, für starken Zuwachs. Wohl kaum jemand kann behaupten, dass erneuerbare Energien in diesen Bundesstaaten geschätzt werden, weil sie einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Sie gelten schlichtweg als wirtschaftliche Chance, mit denen sich gut Geld verdienen lässt.

    Solardach eines Parkhauses in Florida: Die erneuerbaren Energien wachsen in den USA weitaus dynamischer als Gaskraftwerke. Der Grund: Sie sind günstiger.

    Solardach eines Parkhauses in Florida: Die erneuerbaren Energien wachsen in den USA weitaus dynamischer als Gaskraftwerke. Der Grund: Sie sind günstiger.

    Eine Technologie genießt sogar die Unterstützung der Trump-Regierung: Geothermie. In Trumps „Big Beautiful Bill“ bleiben die Hilfen für geothermische Anlagen bis 2033 erhalten, während sie für Solar und Wind schon 2027 auslaufen. Energieminister Chris Wright stellte Geothermie in seiner ersten Anordnung nach Amtsantritt als Schlüsseltechnologie heraus, auf deren Förderung die Regierung sich konzentrieren wolle.

    Google und Meta investieren in Geothermie – um Rechenzentren zu versorgen

    Das Start-up Fervo Energy mit Sitz in Houston will noch in diesem Jahr die ersten 100 Megawatt seines „Cape Station“-Projekts in Utah ans Netz bringen. Bis 2028 soll die volle Kapazität von 600 Megawatt erreicht sein. Google und Meta haben Verträge mit Geothermie-Start-ups unterzeichnet, um ihre Datenzentren mit Strom zu versorgen. Die Marktbeobachter von Global Energy Monitor erwarten, dass neu entstehende Anlagen bis 2028 weitere 1,15 Gigawatt erzeugen können.

    Die klare Ausnahme vom Boom bildet Offshore-Windkraft. Dass Trump wenig von ihr hält, ist bekannt. Kaum im Amt, begann seine Blockadepolitik, und sie funktioniert. Im Dezember 2025 bremste das Innenministerium gleich fünf im Bau befindliche Offshore-Projekte aus, darunter Anlagen von Ørsted, Dominion und Equinor. Im Frühjahr stoppte die Regierung auch Projekte vor der Küste von New York und New Jersey. Deren Betreiber sollen gegen Entschädigungen aussteigen und die Mittel stattdessen in Flüssigerdgas-Anlagen investieren. (Transparenzhinweis: Ørsted finanziert das journalistische Angebot von EnergieWinde.)

    Das Pentagon stoppt Windparks – mit Verweis auf die Sicherheit

    Mindestens 165 Onshore-Windfarmen hängen außerdem beim Verteidigungsministerium fest. Es verweist auf die nationale Sicherheit und auf notwendige Prüfungen zur Vereinbarkeit der Turbinen mit Radar- und Luftraumsystemen. Nach Angaben des Branchenverbands American Clean Power Association hat das Pentagon seit August 2025 kein einziges Onshore-Windprojekt mehr freigegeben, allein in Texas hängen 54 Projekte in der Warteschleife.

    Nach Trumps „Big Beautiful Bill“ korrigierte BloombergNEF seine Prognose für den US-Ausbau von Wind, Solar und Speichern bis 2030 um 23 Prozent nach unten. Doch die Aussichten sind weiterhin gewaltig: Das Analysehaus erwartet immer noch 395 Gigawatt Wachstum in den drei Sektoren. Und auch wenn die Investitionen in saubere Energie im ersten Quartal des Jahres um 3 Prozent gegenüber dem vorigen Quartal gesunken sind, lässt sich der Trend bei den Erneuerbaren wohl nicht mehr aufhalten.

    Der Strompreis dürfte der entscheidende Hebel sein. Die rasant wachsende Nachfrage nach Datenzentren treibt die Preise hoch und setzt die Republikaner unter Druck, neue Kraftwerke zuzulassen. Die Solaranlagen in Texas könnten bald neue Rekorde aufstellen. Die Energiewende fände dann ausgerechnet in den Bundesstaaten statt, wo sie politisch am lautesten verschrien wird.

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