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Die Niederlande lassen die Fischerei zwischen Windrädern in begrenztem Rahmen zu. Dieses Fischerboot ist im IJsselmeer unterwegs.
Von Leoni Bender
Im Windpark fühlt sich der Kabeljau offenbar wohl. Steinaufschüttungen rund um die Fundamente der Windräder, der sogenannte Kolkschutz, können wie künstliche Riffe wirken. Das zeigen Studien des Thünen-Instituts. An den Fundamenten siedeln sich zahlreiche Organismen wie Muscheln oder Seepocken an, die wiederum Fischen wie dem Kabeljau Nahrung bieten. Weil die Fischerei in den Windparks meist eingeschränkt ist, finden die Tiere dort zudem einen vergleichsweise ungestörten Lebensraum.
Offshore-Windparks liefern damit nicht nur Strom, sie können auch eine Chance für die Artenvielfalt sein.
In Deutschland sind Mitte 2026 insgesamt 1764 Offshore-Windräder in Betrieb, die meisten davon in der Nordsee.
Insbesondere beim Bau neuer Anlagen entsteht Unterwasserlärm, der Meeressäuger wie Schweinswale beeinträchtigen kann. Zwar werden inzwischen geräuscharme Bauverfahren entwickelt, deren Lärm nur noch auf dem Niveau liegt, das ohnehin ständig im Meer herrscht. Dennoch ist klar, dass Windparks die Lebensräume verändern und etwa das Verhalten von Seevögeln beeinflussen können.
Gleichzeitig entstehen durch Offshore-Windparks riffähnliche Strukturen, die neue Lebensgemeinschaften ermöglichen.
Makrelen, Krebse, Robben – Windradfundamente locken zahlreiche Arten an
„Wir sehen dort eine größere Zahl hartsubstratliebender Arten“, erklärt Vanessa Stelzenmüller, Leiterin der Arbeitsgruppe Meeresnutzung und Meeresschutz am Thünen-Institut. Makrelen etwa halten sich gern im Windschatten der Anlagen auf, Robben jagen dort. Auch Krebse und Hummer bevorzugen Habitate mit mehr Steinen.
An der Universität Wageningen in Niederlanden wird seit einigen Jahren daran geforscht, wie sich solche Lebensräume weiter stärken lassen. Der Meeresökologe Oscar Bos untersucht dabei unter anderem, wie sich riffbildende Arten ansiedeln lassen, etwa Austern und Muscheln.
Was sind die langfristigen Effekte? Das muss sich noch zeigen
Allerdings ist noch unklar, wie stark sich die positiven lokalen Effekte langfristig auf ganze Populationen auswirken, schreibt der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES).
Zwar ließen sich lokale Ansammlungen von Fischen an den Fundamenten beobachten, daraus könne man aber keine belastbaren Aussagen über die Entwicklung ganzer Bestände ableiten. „Ob das tatsächliches Populationswachstum oder nur eine Umverteilung ist, wissen wir aktuell nicht“, erklärt Andreas Kannen, Deutschlandvertreter im Wissenschaftskomitee vom ICES.
Zudem ließen sich Veränderungen bei den Arten nicht allein auf die Windparks zurückführen. Auch andere Faktoren spielen eine Rolle, etwa die begrenzte Fischerei in den Gebieten und die Folgen des Klimawandels wie steigende Wassertemperaturen.